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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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nienburg-

Von Graz nach Dachau

Wir werden weitermarschieren, wenn alles in Scherben fällt, denn heute gehört uns Deutschland , morgen die ganze Welt!

Von diesen Worten und Melodien sind Straßen und Plätze ‚meiner Heimatstadt Graz erfüllt. Derbe Schritte lärmen draußen, ‚alles jubelt und grüßt die einmarschierenden endlosen Kolonnen der deutschen Wehrmacht . Rote Fahnen mit Hakenkreuzen flattern im Wind und unter ihnen bewegt sich eine Menschenmenge, deren ‚Gesichter teils Gedankenlosigkeit, teils tiefsten Schmerz ver- ‚raten. Somit pilgern zwei Sorten Menschen durch die Straßen der - ‚Stadt der Volkserhebung, Graz . Die eine Gruppe: Sieger, voll Lust, Rausch, Zuversicht und Hoffnung, voll Gemeinheit und Blödheit, voll Bosheit, Eigensinn, Niedertracht und Unmenschlichkeit, voll "Rachsucht und aufreizender Präpotenz. Die zweite Gruppe: Ge- ‚drückte, Traurige, mit Tränen in den Augen. IhrVerhalten kommt nicht aus politischer Weitsicht, sondern aus der instinktiven 'Voraussicht und Erkenntnis, daß dieser größenwahnsinnige Gesang ‚nur Krieg und Elend bedeuten wird. Sie klagen stumm und still die ‚Mörder an, beweinen die alten Mauern und fühlen, daß sie ihre "Schritte über eine Schädelstätte lenken, auf der sie nun zu gehen "und zu sterben gezwungen werden. Diese zweite Gruppe, die augen- ‚blicklich weitaus kleinere, ist auch jene, die hastig und in Todes- angst vor den kommenden Schächern und Schergen flüchtet. Sie ist die Gruppe der Patrioten, der ewig treuen Österreicher!

Weit gehen die Tore der Gefängnisse auf und schon nach Tagen

wandern durch die Pforten Menschen in die Zellen, in denen sie

unter Tränen ihr Schicksal, ihr Ende abwarten. Hart sind die Tage und Nächte, schwer die Herzen. Hastig pulst das Leben in ihren Adern und hinter den hart aufgerichteten, aufrichtigen Stirnen. Zerrissen sind die Seelen, zerfleischt, zerfetzt ist das Familien- glück. In den Herzen aber brennt das Wort, ihr Ziel:Österreich den Österreichern!' Mag der Stiefel des Nationalsozialismus alle Kultur, alles Volkstum in Scherben treten, mag er vorübergehend auch die Welt besiegen, einmal wird er abtreten und müde zusammen-

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