hier, du kannst es doch nicht sein?! Du bist zu groß! Im Innern kettest du mich aber doch! Ich spüre, du ahnst mich. Deinen Herz- schlag fühl’ ich leis’ in meiner Brust. Und demnach mußt du es sein!
Da springt ein andres Ding zu ihr und grüßt zaghaft:„Servus, Inge!"
Da ward ich bleich, ich fühlte es. Mein Atem stockte.
Du trägst den Namen, den dein Mütterchen dir einst gab. Dich fragen? Könnte ich! Am Ende bist du es und triffst den Vater hier auf dem Weg nach dem Heimathaus.
Dein Blick— er haftet noch immer an meinem Gesicht. Du kannst nicht los! Du bist mein Blut, mein Ich. Ich fühl’ es. Du bist das Kind, das seinen Vater sucht, ich bin der Vater, der sein Kind nie fand.
Da steigt sie aus. Die Station wird von der Schaffnerin aus- gerufen. Noch einmal schaut sie zurück und geht. Die Nacht ver- schlingt mir das Kind. Sie muß es sein! Hier, unweit von der Halte- stelle, wohnt seit Jahren ihr Mütterlein. Mein Inneres sprach ein ernstes„Ja!
Da hält der Wagen schon an meiner Haltestelle. Noch einige Schritte— dann bin ich vor dem Haus meiner Großmutter. Ob sie noch lebt? Lange hörte ich nichts von ihr. Seit mein Lieb ihr Haus verließ.
Eine Weile stehe ich da, gucke durch die Nacht zum Fenster, an dem sie immer gesessen. Ein mattes Licht läßt der verschlossene Fensterbalken durch, so wie damals, als ich ging. Du schläfst! Vielleicht für immer schon! Ich fühle Nässe auf meinen Wangen, die Tränen, die hier schon Furchen gruben.
Am Steinstock des Gartentores sank ich hin und weinte bitter- lich. Ich raffte mich auf und ging die alte Treppe hinauf. Die Haus- frau schickte ich voraus. Sie sollte das alte Mütterchen vorbereiten. Ich wollte nicht der Tod in ihrer Freude sein! Vor der Türe blieb ich stehen und lauschte. j
„Nein‘, hörte ich.„Der lebt nicht mehr, der kann doch nicht mehr kommen!“
„Und doch‘, erwiderte die Hausfrau,„ich sprach ja selbst mit ihm!“
„Nein, nein‘, zitterte es zurück.
Da konnte ich nicht länger vor der Tür bleiben. Mit festen Schritten trat ich hin vor sie, die krank im Bett lag.
„Und doch, ich bin's!", sagte ich. Es war die letzte Kraft, die ich aufbringen konnte. Dann schwiegen wir und weinten.
Ich wollte fragen, wohin mein Lieb gegangen. Ich war jedoch lahm vor Schmerz. Da flüsterte der alte Mund, umrollt von Tränen, was ich gewußt.
„Sie konnte dich nicht mehr erwarten— sie ist verlobt. Sie konnte nicht mehr glauben, daß du wiederkommst. Man sagte uns,
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