u u
15% a ee„ER u Me
‚e b 0
T, 1e t! n,
daß du spätestens im Sommer kommen würdest. Wir nahmen es als bitteren Bissen des Trostes, aber du kamst nicht. Auch erhielten wir kein Schreiben von dir. Nichts deutete darauf hin, daß wir dich jemals wiedersehen würden. Da ging sie fort. Nichts hörte und sah ich mehr von ihr.‘
Da wollte auch ich zurück in jene Schmerzenswelt, aus der ich gekommen, in der das Sterben Freude war.
„Warte!”, fuhr sie fort, indem sie mir das kurze, graue Haar streichelte,„vielleicht findest du sie doch wieder!"
Ich schwieg.
Wer konnte da noch ein Wort von seiner Zunge lösen? Ich nicht. So war die Freiheit mir eine Last.
Für sie litt und weinte ich tausend Stunden. Jetzt war sie fort, vielleicht ins falsche Glück. Ich wollte sie suchen! Verzeihen, was ihr Herz verbrochen, und noch mehr. Nur finden mußte ich sie, nur einmal unter ihren Blicken gehn! Ihr Herz durfte mich nicht übersehen!
Auf raffte ich mich zum Kreuzgang nach meinem Heimathaus. Mutter und Geschwister wollte ich wiederfinden. In meine Arme
. drücken, ehe ich vielleicht zum letzten Gang sie verließ. Ich eilte
verdrossen durch Nacht und Wind den Berg hinan zum Kirchlein, wo mein Vaterhaus auf hartem Stein ragt. Der Wind rauschte mir zum Gruße. Da stand es wie damals. Wer verteidigte dich, stolzes Haus? Was mochte durch deine Räume an Tränen und Schmerzen gezogen sein?
Leise schritt ich durch die finsteren Räume. Alles schlief. Noch einmal blieb ich stehen vor der Tür des Schlafzimmers. Ich brauchte Zeit, mich zu fassen, die Kraft zu sammeln, die ich nötig hatte, um mich auf den Füßen halten zu können, wenn ich meine Lieben erblickte.
Da rief angsterfüllt der Mutter Mund. Sie hatte mich gehört.
„Wer ist's, wer hat sich eingeschlichen? Macht Licht, Kinder! Ein Räuber hat sich eingeschlichen!”, schrie sie gellend. Sie ließ mich kaum zu Wort kommen.
„Nein, Mutter‘, antwortete ich.„Ich bin’s, der Selmo!'
„Lügner!“, schrie sie auf, während das Brüderchen zitternd ein Lichtlein entzündete.
„Ein Räuber bist du, Hilfe!”, schrie sie wie eine Wahnsinnige. „Du hast wohl die Kleider meines Sohnes, aber du bist es nicht, du hast ihn ermordet, und dich zur Flucht seiner Kleider bemächtigt!”
„Nein, Mutter, ich bin’s wirklich!‘ rief ich zornig.„Du mußt mich doch erkennen!“
Da schlug sie beide Hände vors Gesicht und weinte.
„Nein, du bist es nicht, du bist der Mörder meines Sohnes, geh’ von diesem Haus, du siehst eher einer Leiche ähnlich! Nein— du bist es nicht!“
175


