Kameraden nicht allzu schlecht gelebt hatte. Die Hauptschuldigen gingen in den Bunker und wurden nach Untersuchung strafweise in andere Lager verschoben. Es war auch wirklich höchste Zeit. Ich erinnere mich oft, wie diese Gesellen das sogenannte Bombenkommando verrieten und verkauften. Dieses Kommando bestand vorerst aus Freiwilligen, die auszurücken hatten, um Blindgänger auszugraben, bzw. unschädlich zu machen. Man versprach ihnen nach zehnmaligem Einsatz die Freiheit. Als diese Häftlinge aber merkten, daß die Versprechungen nur leere Phrasen waren und daß keiner die Freiheit sah, meldete sich keiner mehr. Es war ja auch klar. Viele Kommandos waren ausgerückt und nicht mehr gekommen. Dafür wurden sie mit militärischen Ehren und mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse aufgebahrt. Und SS- Posten hielten die Totenwache!
Es wurde nun befohlen, daß die Blockältesten täglich früh eine gewisse Anzahl von Häftlingen zu stellen hätten. Wenn sie dies nicht fertigbringen sollten, würde man ihnen mit 25 Hieben nachhelfen. Nun suchten die Blockältesten alle Häftlinge heraus, die ihnen oder einem ihrer nächsten Freunde nicht paßten oder unsympathisch waren. So glaubte man, den einen oder den anderen auf billige Weise und auf dem schnellsten Weg aus der Welt zu schaffen.
Nun war auch das vorbei und der arme, kleine Häftling brauchte beim Morgenappell nicht mehr zu zittern und zu bangen, daß man ihn vielleicht, weil er gestern dem Herrn Blockältesten keine heute auf unfreiwillige Zigaretten hatte verschaffen können,
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Himmelfahrt schickte.
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Wir waren auch in diesem Lager nicht rückschrittlich und hatten alles darangesetzt, hier so wie in Dachau mit aller Geschicklichkeit auf allen Linien, die einem Häftling zur Verfügung standen, vorzustoßen. Seit Monaten erlaubte man uns, eine Blechund Streichkapelle zusammenzustellen, was uns mit unmöglichsten Mitteln auch wirklich gelang. Der Jourhaus- Friseur Schubert, ein guter Musiker und nicht zuletzt auch Komponist, besorgte von draußen die zusammengeschlagenen Instrumente der SS, die bereits auf den Abfallhaufen herumlagen. Die Erlaubnis bekam er auf ganz einfache Art und Weise. Er hatte ja nur Kommandanten und die gesamte Lagerführung zu rasieren und ihnen die Haare zu schneiden. Er wartete bei dieser Gelegenheit auf einen passenden Moment und säuselte dann dem Lagerführer, Kommandanten, Adjutanten oder sonst Einflußreichen solange in die Ohren, bis diese, an nichts denkend, die Erlaubnis gaben.
Im Lager wurden die verbeulten Instrumente wieder ausgebügelt, gelötet und ergänzt, so daß man sie bald verwenden konnte. Fehlende durften gekauft oder von zu Hause geschickt werden. In zwei Monaten hatten wir Instrumente und Notenmaterial für
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