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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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‚keit tropfenweise verschuldet. Außerdem bat ich ihn, er möge bei

der Lagerführung dahin wirken, daß draußen auf der Erschießungs- stätte wie im Krematorium eine andere Form der Hinrichtung ge- funden werde. Er versprach mir, dies zu tun, nur werde er sich erst einige Tage genauest überlegen, wie und wann er diese heikle Angelegenheit vorbringen könne.

Meine Unterredung mit Dr. Frohwein war um 10 Uhr abends beendet. Er war gerade dabei, sich umzuziehen und nach Hause zu gehen, da stürzte plötzlich sein Kollege, Dr. Schmitz, herein, der sein Präparat gegen Phlegmone auf Operationsbasis jetzt in der Nacht ausprobieren wollte. Erstens war er kein Operateur und zweitens hatte er etwas zuviel getrunken. Da er aber ein vor- gesetzter Arzt war, half kein Zureden. Er befahl, sofort 20 Häftlinge herführen zu lassen, die er selbst noch in dieser Nacht operieren wolle. Es wurden nun in Rollwagen und gehend 20 Häftlinge her- beordert, die sich auf den Tisch legen mußten und ohne Narkose geschnitten wurden.

Jedem Kranken wurden mehrere plan- und ziellose Schnitte, die bis zum Knochen reichten, beigebracht und in die Wunden kaum verweste Fleischstücke eingebettet, die wir vorher aus Muskelpartien geschnitten hatten. Sie entwickelten im Verlauf des fortschreitenden Zersetzungsprozesses Gase. Das Resultat war, daß gut 50 Prozent der Armen in einigen Stunden tot waren und daß die Leichen in kurzer Zeit blau und grün anliefen. Sie wurden als sehr gefährlich bezeichnet und es mußte daher vor der Sektion jede Fliege im Sezierraum getötet werden, wenn man nicht der Gefahr laufen wollte, bald ebenso grün oder blau angelaufen auf dem Brett zu liegen. Es war überall Willkür am laufenden Band. Wäre damals Dr. Frohwein nicht ganz energisch dagegen auf- getreten, hätte dieser Narr noch weitere 50 Menschen, vielleicht noch mehr, kalt lächelnd umgebracht.

Dieser Vorfall begründete meine Bitte an Dr. Frohwein noch mehr. Er blieb bis zum Morgen im Revier und ging dann sofort zum Lagerkommandanten, um diesem das am Vortag Besprochene diplomatisch beizubringen. Am späten Nachmittag kam er schmun- zelnd wieder und erzählte mir herzensgütig, wie er war von seinem 100prozentigen Erfolg. Allerdings hatte er den Brigadeführer Glücks in Anspruch genommen und war mit diesem schweren Geschütz zum Lagerführer gefahren. Da Glücks die Abschaffung dieses unmöglichen Zustandes im Lager verlangte, blieb dem Herrn Lagerkommandanten, dem ja jeder Zustand egal war, nichts übrig, als einzugreifen.

So hatten wir mit einem Schlag das Lager von den unsauberen Elementen gereinigt. Capos wie Blockälteste wurden ausgewechselt und sonstiges schmutziges Zeug, das ihnen Hilfsdienste geleistet hatte, flog aus den Arbeitsstätten, wo es auf Kosten krepierter

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