Hatte er irgendwo gute Kameraden, denen er einmal Erholung ver- schaffen wollte, erhielten sie ebenfalls Eintritt ins Revier, wofür einfach Kranke hinausgeworfen wurden.
In der Bekleidungskammer war es ebenso: Lagerälteste, Block- älteste usw. bekamen aus den Zivilbeständen Pullover und Woll- westen, durften sich kleiden, hatten Beschuhung und Unterwäsche, wogegen der andere, wenn man bei ihm eine Wollweste fand, die nicht vom Lager ausgegeben worden war, von diesen Leuten einfach gemeldet wurde.
Das gleiche war in der Paketannahme der Fall. Pakete durften den Häftlingen nicht verabreicht werden, also wurden sie geöffnet. Brauchbares wurde für die SS herausgenommen, und wenn etwas übrig blieb, erhielten es die Blockältesten oder deren Helfershelfer.
Es war schrecklich, wenn man jahrelang von Krautsuppe lebte, und der Mitkämpfer, erhoben zum Blockältesten und Helfershelfer, bei Tisch Speck und Mehlspeise verzehrte.
Es würgte einen, wenn man, fast nackt, den ganzen Winter mit einer Decke schlafen mußte, während der Blockälteste nebenan mit fünf und sechs Decken, Wollweste und Unterwäsche schlief.
In der Pathologie wurden den Toten die Goldzähne gezogen und mit Hilfe der SS, die Prozente erhielt, nach draußen verschoben..
Krematoriums aufgeteilt und mit Hilfe von SS -Angehörigen den Familien der Capos per Post zugesandt.
Ja, es kam nicht selten vor, daß so ein Schuft Tausende von Mark ergaunerte.
„Also“, meinte Walter,„wir wollen es dir vollkommen über- lassen, wie du dieser Verbrecherwelt entgegentreten und damit deinen Kameraden vielleicht für später, wenn du nicht mehr da sein wirst, helfen willst.“
Ich versprach Walter, zu tun, was ich konnte.
Ich hatte ja schon, wie in Dachau , eine schöne Zahl von handfesten Leuten gesammelt und wußte nur noch nicht, wann und in welcher Stunde man diesen Verbrechern auf den Leib rücken konnte.
Da ich aber mit dem erst kürzlich eingesetzten Lagerarzt auf
freundschaftlichem Fuß stand, war mir dadurch ein Ausweg, besser
gesagt, eine kleine Lichtquelle geboten.
Erst aber hieß es, den Mann gewinnen und hundertprozentig zu überzeugen, daß auch auf diesem schrecklichen Feld Menschlichkeit notwendig sei. Das war die erste Aufgabe, die ich mir stellte.
Nicht nur meine erste Aufgabe war es, sondern auch meine heilige Pflicht gegen die Kreatur. Und gerade damals, da ich erst vor einigen Stunden vom sogenannten Z-Kommando eingerückt war, von dem schauerlichsten Mordplatz, den ich bisher kennengelernt hatte.
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