Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
165
Einzelbild herunterladen

wer­

ofür

ock­

oll­

che, and,

uten

ften

net.

was

lfer.

ebte,

lfer,

inter enan

lief.

ogen ben.

s des

den

von

über­Hamit

r da

von

und icken

ezt auf Desser

tig zu chkeit

te. meine

st vor

war,

elernt

Draußen lagen sie in Haufen, halb lebend und tot. Sie waren mit einem Lastzug hergeführt worden, um verbrannt zu werden. Seit Wochen fuhren jeden Morgen, aber auch in der Nacht, Züge durch das Tor, durch das man alles führte, was die breite Menschheit nicht sehen und hören durfte. Wir nannten es das ,, schwarze Geleise".

Vor einigen Tagen hatte es begonnen. Ein langer Lastenzug, dessen Maschine von SS bedient wurde, pfauchte durch das Tor. Auf Motorrädern und in Autos kamen SS - Einheiten mit Maschinen­pistolen und Handgranaten herangesaust. Sie stoppten ihre Fahr­zeuge, sprangen herunter und umzingelten den Zug. Die Mannschaft des Z- Kommandos, bestehend aus lauter Häftlingen, bewaffnet mif Prügeln und Schaufeln, mußte die Türen dieses Lastenzuges öffnen, der mit lebenden und toten Menschen voll beladen war. Die unteren Schichten waren tot und bereits in Verwesung begriffen. Die oberen Schichten lebten halb und halb. Erst sollten wir sie heruntertreiben, als das aber nicht möglich war, weil diese Men­schen nicht mehr die Kraft besaßen, herunterzusteigen, mußten wir sie einfach herunterwerfen. Alle Altersstufen waren vertreten. Vom Säugling bis zu Achtzigjährigen männlichen und weiblichen Ge­schlechtes. Ohne Bekleidung, ohne Beschuhung, ohne jeden Bissen Brot. Es waren meist Einwohner russischer Dörfer oder Städte, aus denen man die Bewohner einfach mit der SS abführte und auf Transport schickte. Essen und Trinken brauchten sie nicht sie wurden ja nicht als Arbeitskräfte, sondern als Brennmaterial für das Krematorium geliefert. Ausrottung nannte man das kurz.

-

In vielen Waggons lebten die Leute noch. Sie wurden von der betrunkenen SS- Garde über den Leichenhaufen zur Erschießungs­stätte getrieben. Diese nackten, kaum sich auf den Füßen haltenden Knochengerüste rannten wie Narren über die Leiber ihrer Nächsten und baten in ihrer Sprache um Leben oder Essen.

-

Die SS schoß mit Maschinenpistolen so lange auf die flüchten­den Scharen, bis der letzte sich sterbend der Erde zuneigte. Als dieser Zug entladen war es war inzwischen Nacht geworden- und die Halde sich wie ein schweigender Friedhof ausnahm, blieben nur wenige Posten zurück. Die anderen rasten mit ihren Maschinen wieder davon und verschwanden im Dunkel der Nacht.

Am Morgen bewegten sich einige Haufen dieser am Vortag dahingemordeten Menschen, die nun mit Spaten, Prügeln und anderen Mordwerkzeugen totgeschlagen werden mußten. Viele von ihnen, die noch glaubten, sich irgendwie retten zu können, fand man in die Erde eingegraben, wo sie ihren Verwundungen erlagen oder erstickten. Sie scharrten sich mit letzter Kraft in die Erde, um den Mördern zu entgehen. Das alles half nichts!

Ein anderer Zug kam mit Narren angefahren, die zum Großteil, wie wir feststellen mußten, keine Narren, sondern nur von der

165