Viele Nächte verfolgten mich diese Bilder. Selbst im Traum erschienen sie mir.
Am Morgen, vor dem Appell, kam Walter in mein Zimmer und erklärte mir, daß er mich noch im Lauf des Tages in einer wichtigen Angelegenheit sprechen müsse. Die Verzweiflung sei so hoch gestiegen, daß in nächster Zeit auf irgend eine Weise Abhilfe geschaffen werden müsse, wenn auch ein Drittel des Lagers daran glauben sollte!
Er war aufgeregt, sein Odem stockte in seiner Kehle und mir war, als hörte ich sein Herz brechen. Ich wußte nun, daß es sich um große Dinge handelte und daß die Aufgabe nur mit Einsatz des Blutes aller zu lösen sein würde.
Als Walter in Hast meine Stube verließ und gegen den Appellplatz rannte, während ich sinnend durch das Fenster gegen die Mauer starrte, erhoben sich durch den Stacheldraht die drei Kreuze des Ölbergs! Erst glaubte ich, wahnsinnig zu werden, dann wendete ich mich und ging in den Keller der Pathologie. Ich sprach betend zu meinen toten Brüdern.
Das Auto des Klinkerwerkes, das mit 16 schrecklich zugerichteten Toten das Tor des Reviers passierte, warf die Leichen mitten auf den Weg des Reviers. Fleischfetzen hingen ihnen vom Leibe, teilweise waren sie nur mit einer Jacke bekleidet. So lagen sie zu Füßen ihrer Kameraden, die sie betrauerten.
Es war 18 Uhr. Ich betrachtete die verzerrten Physiognomien, die die Opfer beglotzten.
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es war inzwischen 19 Uhr geWalter, der nach dem Appell worden zu mir wollte, lenkte, als er die Leichen erblickte, seine Schritte zu den Entseelten. Er zog die Mütze und stand wie ein Betender vor den Märtyrern. Dann wendete er sich mit gesenktem Haupt von ihnen und kam schweren Schrittes zu mir, der ich noch immer wie eine Säule am Fenster stand.
"
, Was sagst du nun?", sprach Walter tieferschüttert, mit Tränen in den Augen zu mir. Ich gab ihm keine Antwort und führte ihn in mein Zimmer, wo wir geraume Zeit schweigend herumstanden.
,, Siehst du", sagte er nach einer langen Weile ,,, das alles müßte von uns abgeschafft werden! Kein Volk, kein Mensch kann die Vernichtungswut dieser vom Teufel entfesselten Meute ermessen!"
,, Zwei von denen draußen", erzählte Walter weiter ,,, wurden heute im Klinkerwerk auf unmenschliche Art getötet.
Ein Blockführer ließ an einem Hydranten einen Schlauch anbringen, dessen Ende die beiden Märtyrer in den Mund bekamen. Dann ließ er den vollen Wasserstrahl mit aller Stärke in die Kehlen der beiden strömen. Es dauerte nur kurze Zeit, dann brachen sie lautlos zusammen!
Der Lagerführer des Klinkerwerkes erzählte das dem Leiter meiner Abteilung in fröhlichster Stimmung, und meinte, daß man
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