Consumatum est!
Lautlos defilierten 20.000, ohne mit der Wimper zu zucken, an den Mördern vorbei. Sie zogen zur Arbeit.
- Am nächsten Tag, es schien bereits Programm zu werden, wurde die Legion abermals früher als sonst auf den Appellplatz befohlen. Zwei Russen gingen den letzten Weg. Zu diesem Schau- spiel wurde der Rest des Russenlagers, der den Winter überlebt hatte, auf den Appellplatz getrieben. Beide Jungen, die in ruhiger Haltung und mit festen Schritten dem Tod in die Arme liefen, wen- deten nach Verlesung des Urteils, das durch einen Dolmetsch über- setzt wurde, ihre Häupter zu uns und warfen verachtende Blicke auf die blutbesudelten Larven ihrer Mörder, Beide erhoben, als sie die erste Stufe des Galgens betraten, ihre rechte Hand, die zur Faust geballt war, und grüßten.
Sie waren der Sabotage beschuldigt.
Ich erinnere mich, daß im Sturm des Herbstes an einem Samstag abends zwei vom Hunger schrecklich zugerichtete _ Russen ans Tor gestellt wurden. Am Sonntag standen sie noch immer da, steif wie zwei Säulen, blau wie das Wasser, die Augen geschlossen. Der Sturm tobte weiter. Es wurde Sonntag Mittag. Noch immer standen sie da. Plötzlich, um 15 Uhr, krachte aus einem vor ihnen geöffneten Fenster der Blockführerstube ein Schuß. Der links stehende Russe sank zusammen. Kaum hatte der rechte sich gebeugt, um seinem Kameraden zu helfen, krachte ein zweiter Schuß. Auch er brach, über die Brust des ersteren fallend, zusammen. Bis spät am Abend ließ man die beiden am Tor liegen. Jeder Mann, der über den Appellplatz ging, mußte an den beiden vorbei. Erst am Abend, nach dem Appell um 17,30,
wurden die beiden mit einem Leichenfahrer in das Krematorium _ hinter der Mauer geführt und in die Kisten zu den Leichen geworfen, - die auf ihre Verbrennung warteten.
Am nächsten Morgen, als der Leiter und Blockführer des Krematoriums in seiner Stube bei fröhlicher Radiomusik in seinem Fauteuil saß, faul eine Zigarre schmauchte und dem emporsteigenden - Rauch folgte, ging plötzlich die Tür auf. Einer der beiden Russen . stand in derselben. Das Blut tropfte von dem nackten Körper, denn jede Leiche wurde vor der Verbrennung entkleidet. Er hob beide Hände mit letzter Kraft bittend gegen den Himmel und stammelte einige russische Worte. Er wird um sein Dasein gebeten haben!
Grinsend sprang der Blockführer von seinem Sitz empor. Er nahm den Spaten, der in einer Ecke des Zimmers lehnte, und ver- setzte dem Bittenden unzählige Hiebe gegen den Kopf. Der Zu- sammenbrechende starb endlich auf der Schwelle der Kanzlei des Krematoriums. Häftlinge räumten den Erlösten in die Kiste zu . seinen steifen Brüdern.
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