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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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vom Blockführer sofort abgeführt und zu einer Vernehmung zum Lagerführer gebracht, der mich erst gehörig schlug und nach einem kurzen Protokoll wieder entließ. Einerseits gedrückt, anderseits in gehobener Stimmung, lief ich in meinen Pathologiekeller zurück. Dort schnitt ich wieder weiter...

,, Peterl! Walter, der Schriftsteller sucht dich schon den ganzen Abend!", meinte der Professor aufgeregt zu mir. Was er nur für Wünsche haben mochte? Walter war einer meiner liebsten Kame­raden. Zur Zeit des Parteienkampfes in Deutschland war er Schrift­steller bei einer roten Zeitung. Nebenbei verfaßte dieser vom Hunger Gehetzte kleine Gedichte, die er da und dort bei anderen Zeitungen anbrachte. Ein vom Leben Geprüfter, von der Wiege bis heute. Ein Studium, das ihn zum Apostel des Buches gemacht hätte, interessierte ihn nicht und dazu langte auch das Geld nie. Was hätte dieser begabte Mensch auch davon gehabt, wenn er zum Doktor promoviert worden wäre! Er wäre seinem Innern viel schuldig geblieben und hätte seinen Geist krank gemacht. So war es besser, er blieb und bleibt, was er war und ist.

Es kann dem Denker völlig egal sein, ob er das Händeküssen erlernt hat oder nicht, ob er zur richtigen Person ,, Gnädige" sagt oder nicht, ob er zum angezogenen Kasperl ,, Exzellenz" sagt oder umgekehrt. Er hat sich nur vor der Natur und dem wirklichen Genius zu beugen, der ihm etwas bedeutet, und nicht vor einem Menschenschreck.

Man gebe etwa einer Musikgröße, die nie imstande war, Musik zu machen, noch weniger, zu gebären, den Professortitel nicht, und sie müßte als gewöhnlicher Musiker sterben, wie Mozart , Beethoven oder Schubert.

Walter gehörte also zu den Denkern ohne Doktortitel, und war eine geistige Erscheinung, die litt, aber die Augen richtig im Kopfe hatte. Mit enthusiastischer Anhänglichkeit las er am Abend nach Dienstschluß im Zimmer die Werke von Kant und Nietzsche . Am Tag war er beim sogenannten Erkennungsdienst als Photograph und Entwickler tätig. Mit der sogenannten Lager­aristokratie stand Walter stets auf gutem Fuß. Er brachte mir die Neuigkeiten, die sich draußen und innerhalb der grauen Mauer abspielten.

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,, Lageraristokratie" das war die Bezeichnung für jene Häft­linge, die auf Grund ihrer Schlauheit eine gute Position erreicht und es verstanden hatten, sich bei ihren vorgesetzten Blockführern und der Lagerleitung Liebkind zu machen. Sie waren die soge­nannten ,, Bereuer", die ihren Vorgesetzten einerseits ihren guten Willen zeigten, anderseits den Kameraden gegenüber die schlauen Abhorcher spielten, die absolut notwendig seien, um den Vernich­tungsapparat, der gegen alle eingesetzt war, zu erkunden und zu beobachten. Sie waren, kurz gesagt, die Geschlagenen, die den

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