„Manchmal steigt mir ein Grauen auf, wenn ich da sitzel‘, meinte er.„Ist doch ein eigenartiges Gefühl hier in diesen Räumen!“
Einmal sprang einem eine Ratte über die Stiefel, dann wieder pfiffen einige Mäuschen aus der dunklen Ecke.
„Unheimlich! Aber das Bild wird trotzdem sehr schön!‘“, mur- melte er zu seinem Porträt, das er vor sich, genau beobachtend, in beiden Händen hielt. Dann gab er mir eine Zigarette und ließ sich wieder durch viele Gänge zum Ausgang führen, wo er glück- strahlend, erlöst vom Dunkel, wieder verschwand.
Ja, ja, die Mäuschen, sie sind von Menschen nicht gerne ge- sehen, und hier waren sie meine liebsten Gäste.
Gestern, als ich meine Farben auf die Leinwand brachte, war es so drollig mit den kleinen Dingelchen. Erst hatten sie wahr- scheinlich Fangen gespielt und dabei mein Oltiegelchen ganz über- sehen. Denn als ich meine Farben verdünnen wollte, war mein Tiegelchen umgeworfen und das Ol rann auf dem Boden. Ich fluchte und schimpfte wie ein Rohrspatz und schaufelte dann mit einem flachen Pinsel das ausgeschüttete Ol, so gut es ging, wieder in das Tiegelchen zurück.
Als ich wieder eine Weile in dem Gesicht vor mir herum- gepinselt, da ein Licht und dort einen Schatten auf Nase und Mund getan hatte, huschten mir wieder Tierchen über meine Holzsockel. Ich legte meine Palette zur Seite und beobachtete das lustige Spiel. Auf einmal kollerte mein Tiegelchen samt dem Ol wieder auf dem Boden herum.:
„Luder, erbärmliche! Da kann man ja nicht genug Augen im Kopf haben bei euch! Schon liegt der Dreck wieder da! Himmlische Baßgeigen! Diese verrückten Rabenviecher! Laßt euch ja nicht erwischen!"
So schimpfte und fluchte ich einige Zeit und dann war es end- lich ruhig um mich. Als ich alle Ecken mit meinen zornigen Blicken absuchte, guckte eine da, die andere dort und eine dritte aus der Kistenecke ganz verdutzt hervor. Wie kleine Kinder, die etwas angestellt, dafür gescholten worden waren und einem dann das Mitleid aus dem Herzen ziehen. Genau so! Diese kleinen Lumpen sahen einen fragend an und standen da, als hätte man ihnen Unrecht getan.
„Gut“, dachte ich,„mußt eben dein Ol höher stellen.”
Später, als ich meine Palette wieder zur Seite legte, mir eine Zigarette anzündete und meine Arbeit kritisierend betrachtete, krabbelte es auf meiner Palette! Als ich näher hinsah, hatten mir diese Kerlchen die Farbwürstchen bunt durcheinandergetrampelt und waren davongelaufen.
Da kam mir das Lachen aus. Mit bunten Füßchen liefen sie nun durcheinander in den Ecken herum und waren scheinbar sehr erfreut, daß sie mir meine Farben mischen helfen durften. Mit
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