Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
139
Einzelbild herunterladen

ten

alte

ng,

Ge­

llte

die

ick­

hen

ver­

den

ifte.

ster

olte

in

Arzt

die

ich

ent­

Vor­

be­

seln

ein

wom

ber­

cend

zum

weiß

dem

den

Bild

eden

ein

Esel, der nicht mehr weiter weiß, starrte mein froh lächelndes Ge­sicht an und meinte dann, von der Überraschung beeindruckt:

,, Bei euch Gaunern ist man doch immer und auf alle Fälle der Beschmierte! Du bist noch imstande, einen lebendig und ohne daß man's merkt, zum Teufel zu tragen!"

Er warf mir einige Zigaretten zu und verschwand.

Ein paar Tage später besprachen wir ein neues Versteck, in dem ich mehr Ruhe haben sollte.

Ich verlegte mein ,, Atelier" in die Keller und Kanalschächte und räumte alle meine Habseligkeiten in die geheimnisvollen Tiefen. Eine Eisentür im hintersten Winkel des Kellers, durch die ich mich gebückt arbeitete, war der Eingang zu einem durch das ganze Revier führenden Kanalschacht, der nur spärlich von elektrischen Lampen beleuchtet werden konnte. Von diesem führten links und rechts kleinere, bedeutend niedrigere Gänge, die äußerst schlecht beleuchtet waren, zu anderen Schächten.

Ich kroch nun mit meinen Habseligkeiten, einen geeigneten Platz suchend, durch viele solche dunkle Gänge, stolperte, schlug mir an zwanzig nicht gesehenen Gerümpelhaufen die Knochen blutig und fand zu allerletzt bald nicht mehr zurück. Wasser tropfte von Wand und Decke. Ich stieg bald da, bald dort in eine bis zu den Knöcheln reichende Pfütze, fiel von einer Grube in die andere, verlor vor lauter Hasten und Tummeln ein kostbares Farbtiegel­chen oder eine Tube, die ich erst nach langem Herumtasten in stündiger Irrfahrt einer versperrten Eisentür, durch die ich unheimliches Getöse, Schleifen auf dem Boden, Fallen von knochigen Fleischteilen wie im Fleischerladen, Herumrücken von leeren Kisten, Auffallen von Schädeln auf Stein und noch mehr unheimliche Geräusche hören konnte. Ich stand still, fühlte mein Blaẞwerden und lauschte atemlos. Kein Wort von Menschenlippen konnte ich vernehmen, nur schleifende, scheinbar mit Gummi­schuhen bekleidete Füße reinigten hastig den Steinboden.

Es hörte sich an, als würden Geister und Entseelte sich da nebenan in einer unheimlichen tiefen Gruft bewegen.

Ich horchte und horchte, legte meine Sachen behutsam und leise zur Seite und preßte mein Ohr an die feuchte Steinwand.

-

So stand ich eine Ewigkeit da mein Herz vernahm ich bis zum Hals angstgehetzt pochen und noch immer war kein Wort von Menschen zu hören.

" I

-

, Was mag sich da in diesen Tiefen abspielen?", fragte ich mich, und tausend Bilder des Schreckens, alles schon Erlebte und Ge­sehene stiegen wie ein Film aus der vor mir schleichenden Dunkel­heit auf.

Gleichmäßiges, von weither kommendes, pistolenähnliches Knallen kaum hörbar durchbrach die unheimliche Stille.

-

-

139