die größten Dienste geleistet hatte. Das wäre ihm natürlich alles eher als angenehm gewesen.
Eines Tages kam ich nun mit Druck, den mein Lagerarzt in- direkt durch den Sanitätsunteroffizier auf ihn ausüben ließ. Darauf erhielt ich endlich einige Farben und Pinsel. Ganz schäbige Reste hatte ich da in meiner zitternden Hand.
„Malen bedeutet für dich die Rettung, Wiedersehen und noch mehr!“, dachte ich. Also heißt es, aus Nichts etwas hervorbringen!
Das Ol zur Verdünnung wurde mittels eines Rezeptes vom Sanitätsunteroffizier herbeigebracht, und nun ging es los.
Eine außerordentlich gefährliche Sache im Konzentrationslager!
Erstens war es verboten, ohne Genehmigung des Komman- danten für SS -Mitglieder zu arbeiten oder auf ihren Befehl eine Arbeit fertigzustellen.
Zweitens, wurde man dabei ertappt, konnte niemand einen schützen. Im Gegenteil— selbst der Auftraggeber schüttelte auf Be- fragen seines Vorgesetzten sein unschuldiges Haupt und beteuerte, nichts zu wissen.
Und drittens hatte man unverhältnismäßige Strafe zu erwarten.
Also war das ein Spiel, das man unter Umständen mit dem Leben bezahlen mußte. Daher hieß es, größte Vorsicht walten zu lassen.
Ich drehte den Schlüssel in der Tür des Privatzimmers des Arztes um, um mich einzuschließen, guckte aber vorher öfter aus dem Fenster und prüfte gleich einem Fuchs die ganze Gegend mit wohlgeschultem Auge. Alles in Ordnung!
In einer Ecke des Zimmers, die von außen nicht sofort erblickt werden konnte, richtete ich meine Requisiten. Meinen bespannten Rahmen stellte ich so auf, daß ich zu jeder Zeit im gegebenen Augenblick damit verschwinden konnte.
Ja, selbst der Arzt fürchtete sich vor einer eventuellen unglück- lichen Minute, in der man mich ertappen konnte, und prüfte mich eingehend auf meine Schnelligkeit und Findigkeit, indem er einige Male den Lagerführer spielte und mich zu überraschen versuchte, was ihm aber jedesmal mißlang.
„Ein alter Lagerfuchs!”, schmunzelte er zufrieden und ging.
Kaum hatte ich eine Woche gemalt, konnte ich beweisen, wie sehr ich dem Lagerkommandanten samt seinem Stab überlegen war.
Es war ein regnerischer Dienstagnachmittag, als plötzlich an - meiner Tür heftig geklopft wurde. Gerade mitten in der Arbeit wollte jemand herein. Mein Arzt konnte es nach dem vereinbarten Klopfsignal nicht sein, und so stieg mir die Angst durch Mark und Bein bis weit über das Genick.
Nicht rühren, war der erste Grundsatz. Draußen vor der Tür wurde es still und auffallend ruhig. Es erweckte den Anschein, als wüßte der Klopfer genau, was sich hinter den vier Wänden ab-
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