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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Schritt konnte ich mehr tun. Ein Hieb nach dem anderen sauste mir über den Rücken. Als ich nun endlich in der Pfütze lag, mit dem Gesicht nach unten, und nicht mehr aufstehen konnte, befahl der Blockführer den übrigen Häftlingen, die Zementsäcke der beiden letzten Autos, die damit beladen waren, auf mich zu werfen. Das Blut, das mir aus unzähligen geschlagenen Wunden strömte, färbte bereits die Lache. Oh, sie labte mich, sie war zum Brunnen des in der Wüste Sterbenden geworden, der seine letzten Wunden in ihr kühlen konnte.

Du also bist der Platz meines Endes, der letztbegangene Qua­dratmeter meines Kreuzweges!- Herr, geh nun du mit mir!

Noch einmal richtete ich mit gesammelten Kräften meinen Oberkörper auf. Meine Augen schlug ich, indem ich still den Herrn um ein schnelles Ende bat, gegen den Himmel auf. Dann aber sank ich wieder zurück in die Pfütze und ein Schlag von rückwärts nahm mir das Bewußtsein.

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Zwei Stunden dürfte ich noch nach Aussagen meiner Kame­raden dort gelegen haben, da kam der Lagerführer des Weges. Er rief den Blockführer, der mich auf alle Fälle tot ins Lager bringen wollte, von der Stelle. Mich aber befahl er den Kameraden auf die Säcke zu legen und dann ins Lager- woher wir gekommen zu bringen.

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Mir brummte der Schädel, während die Kameraden mich trugen. Von allen Seiten meines Gesichtes tropfte Blut. Nur Weite des Himmels vermochte ich von allem zu unterscheiden, sonst nichts. Schmerzen fühlte ich nicht mehr, alles war tot. Ich hatte keine Kraft im Denkvermögen mehr, nur unverständliche Laute tauchten neben mir auf und unter. Während des Tragens überfiel mich ein ungewöhnliches, noch nie dagewesenes Unwohlsein. Ich mußte brechen. Nach und nach begann ich wieder die unheimlichen Schmerzen zu fühlen. In jeder Faser meiner Muskeln zuckte es. Wir gingen durch das Tor unseres Lagers. Rechts davon mußten sie mich hinstellen. Mit aller Kraft und Anstrengung versuchte ich, mich auf den Beinen zu halten, aber es war umsonst. Einem auf­gestellten Brette gleich, fiel ich, ohne mich auffangen zu können, auf den Boden.

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Noch einmal ließ ich mein Leben vorüberziehen. Trostlose Schmach trauriges Beginnen ganz wenig Freude war in diesem Bilderbuch zu sehen. Die Geige, das einzige Ding, begrenzte mir einige Stunden, sonst aber war nichts mit mir gegangen. Noch am Schlusse schenkte Gott mir Farbe und Pinsel und das Auge, das in Blumen und Menschen mich eine Welt erblicken ließ, die gleiche wie die der Töne, herrlich und erhaben, ein Himmelreich inmitten aller Irdlichkeit. Sie beide, Geige und Pinsel, entzündeten mir selbst in den schwersten Stunden freudumrankte Träumereien. Sie waren Totengräber elendester Zeit und zugleich die Be­

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