Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen

xonnte

heulte

Vater

redete d mein

er die Komm,

11

..", so flötete en die

h...!" entlich Es ist Teufel! später

Alles die Tür liegen­e der

Immer Leichen m Ende heraus sogar en den

n einer

de der Leiblein st nicht

utzt, da atledigt,

zu mor­

seiner

Kultur. Der Garant der gegenwärtigen und kommenden Genera­tionen! Der Zukunft!

Betrunken, unter sich raufend und spielend, trampelt die SS mit ihren groben, genagelten Stiefeln vollkommen entmenscht auf den Leibern der Toten, auf den von ihnen heute, am 24. Dezember 1941, hingemordeten deutschen Brüdern!

Es ist der Mensch die Bestie in all der Schöpfung!

,, Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht..." ,, Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?"

So schriebst du einst, Schubert- Franzl!

Ein Bruder sagt über unsere Zeit den treffenden Satz: ,, Sie werden die Toten beneiden."

Wir tun das schon seit Jahr und Tag und weinen dabei.

Erst bedauern wir den Sterbenden, weil wir vor dem Sterben eine gewisse Angst haben. Er hat's vollbracht! Dann weinen wir aber nicht mehr! Würden wir schon vorher geweint haben, was bedeutend vernünftiger gewesen wäre, es würde keiner mehr von Vollbringen und Erlösung sprechen.

Wenn du, Mensch, nicht besser das Leben gestalten kannst als bisher, dann stelle keinen mehr in die Welt, den dann der Tod erst erlösen muß, sondern stirb ab, rotte dich selbst aus und sei erlöst! Dem Letzten aber sage ich noch, er möge der Schöpfung eine Hymne hinterlassen mit dem Titel: Wir haben es vollbracht!

So gingen wir mit Humor und gekünstelter Arbeitsfreude ins

neue Jahr.

Am Morgen des 1. Jänner besuchte man die engeren Kame­raden und wünschte jedem die Freiheit. Oft bekam man die Ant­wort: ,, Alle gehen wir mit den Beinen voraus durchs Tor in die Heimat! Prosit Neujahr!"

,, Jung!"

Damit verschwand der Antwortende mit einem Schmunzeln. Feiertage waren immer schlimme Zeiten für die Häftlinge. Die älteren Menschen konnten sich besser im Zaum halten, die Jüngeren dagegen nicht. Eines Tages packte sie das Heimweh und trotz aller Aussichtslosigkeit, daß die Flucht gelingen könnte, rannten sie heroisch wie Irre in den Tod.

So auch jetzt einer. Neujahr und die Weihnachtstage überwand er, dann aber konnte er nicht mehr. In der ersten Woche schon floh er aus seinem Außenkommando. Alle zur Verfügung stehenden Wachen der SS, der Ortsgruppen usw. wurden zur Verfolgung des armen Toren eingesetzt, während wir im Lager auf dem Appell­platz stehen mußten, bis er gefunden wurde.

10

127