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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Somit konnten wir uns mit unseren Angehörigen praktisch überhaupt nicht verständigen. Oft ließ man solche Briefe auch wochenlang in der Zensurstelle liegen. Erst recht dann, wenn man merkte, daß das Schreiben dem Gefangenen Nutzen bringen oder Beruhigung bedeuten konnte.

Sadismus im höchsten Ausmaße!

Schrieben die Lieben von daheim, daß sie von einer Partei­oder sonstigen Dienststelle günstige Nachricht erhalten hätten, so daß der Mann Freude gehabt hätte, wurde der Brief sofort ver­nichtet und dem Häftling überhaupt nicht zur Kenntnis gebracht. Hatte der Herr Zensurbeamte schlechte Laune oder ein neues Mädchen obwohl er ohnehin Frau und Kind hatte und wollte er seine Holde treffen, wurden unsere Briefe, die ihm Zeit geraubt hätten, eben in den Ofen gesteckt. Wer vermochte da etwas da­gegen zu sagen? Niemand!

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So ging es auch mir damals sehr schlecht. Was ich auch schrieb, es mußte alles durch die Blume gesagt werden. Es kam dennoch alles zerrissen zurück. Schrieb ich verständlich, sahen sie daraus meinen Seelenzustand, dann kam der Brief ebenfalls zurück. Es war immer das Gleiche. Und gerade zu der Zeit, da sie aus meinen Briefen einigermaßen Verzweiflung lesen konnten, war es direkte SS- Pflicht, dieselben zu vernichten.

Monatelang bekam ich Post von meiner Liebsten, die fragte, warum ich nicht schreibe. Dann kam immer weniger und weniger. Wo blieb dein Versprechen? Wo dein Wort? Wo deine Liebe zu mir? Fühlst du denn nicht, wie ich leiden muß? Hast du im Trubel der Stadt mein Bild vergessen? Oder machte man dir, wie tausend anderen, klar, daß ich nicht mehr nach Hause kommen werde? So daß du wohlbedacht die große Liebe langsam versickern läßt?

Ich war am Ende und rannte nicht weit von allen Todesnetzen umher. Sollte oder sollte ich nicht?

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Dort die Tafel mit dem Totenkopf einen Schritt näher und ich bin Ziel der Maschinengewehre oder Opfer des Starkstroms. Eine Qual, aus tiefstem Brunnen des Leids geschöpft. Schweige und zähle die Hiebe!

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Weine, aber ertrage sie!

Noch schlechtere Tage sollten folgen. Die gefangenen Russen hatten außer Ungeziefer auch noch Krankheiten mitgebracht. Das wurde in den SS - Kreisen festgestellt. Dabei wurde aber vergessen, daß das Fleckfieber, das sich nun ausbreitete, aus dem ,, Alex" Gefangenenhaus in Berlin - gekommen war. Es mehrten sich die Fälle. Bei uns waren sie anfangs zwar nicht zu häufig, dagegen traten sie stark bei den Blockführern und in der SS- Kaserne auf. Dazu kamen noch die Ruhr und der Hunger­typhus. Sie häuften sich ganz besonders in unserem Lager. Und

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