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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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die Hand genommen, klappte es. Er wußte ja im gegebenen Fall mit allem abzufahren. Der Verwalter war also in jeder Beziehung vom Capo abhängig.;

Brauchte ein Verwalter einen Brief, wurde dieser von einem Intelligenzler geschrieben. Der Capo gab den Befehl und der Brief wurde wunschgemäß verfaßt.

Das alles ließ ich durch meinen Kopf ziehen. Ich sprach auch mit dem einen oder anderen meiner Kameraden darüber, was man wohl dagegen tun könne, stieß aber immer auf Widerstand. Wenn ihnen auch das Wasser bis zum Munde reichte, sie waren immer zu feige.

Trotz allen Angstgesängen dieser Würmer ließ ich nicht locker. Anfangs schwieg ich und ließ die Zeit an mich herankommen, später wurde ich der Gangster. Und das war das Bessere.

Tage, Wochen vergingen. Einmal bekam ich Post, dann wieder nicht. Ich fühlte, was kommen mußte und kam. Mir waren die Hände gebunden kein Wörtchen konnte ich davon schreiben. Ach, wie weh das tat!

Fliehen wollte ich, aber wohin? Selbst Hand an mich legen? Blödsinn! Ich war vielleicht später imstande, noch alles zu meinen Gunsten zu ordnen. Eigentlich war das etwas zuviel Optimismus!

Die Arbeit nahm in den letzten Wochen schrecklich zu. Es mußte in den Nächten gearbeitet werden.

Da kam nun wieder ein Führer mit Extrawünschen, vielleicht für sein Liebchen. Und ich, das verhungerte Wesen, mußte dafür arbeiten und wieder arbeiten.\

Abends oder morgens, wenn wir aufhörten zu arbeiten und vom Arbeitsplatz in den Block zurück wollten, stieß uns der Qualm der verbrannten Leichen um.

Ging man über den Lagerplatz, sah man am Eingang des Russenlagers an dem man ja vorbei mußte, ob man wollte oder nicht die Berge von Leichen.

Kaum hatte man den grauenhaftesten Fraß, den man sich nur denken kann, verschlungen, hieß es antreten. Wo man den Men- schen Unruhe und Unzufriedenheit bringen konnte, tat man es, und zwar ausgiebig.

Schrieb man einen völlig harmlosen Brief, der nur dem Aus- druck nach etwas kompliziert war, fand man in der Zensur bereits das Schrecklichste heraus. Der Brief wurde zerrissen und dem Block zurückgegeben. Anschließend gab es eine Vernehmung, die im besten Fall mit einer Tracht Prügel endete. Nur weil man vielleicht mitgeteilt hatte, daß man kränklich sei.

Die SS wußte genau, daß die Bevölkerung im Bilde war! Hätte einer der Angehörigen einen solchen Brief bekommen, hätte er daraus doch schließen können, daß es dem Mann im Lager schlecht

ging! 114