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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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,, Einmal kommt er schon wieder", dachte ich. Einmal war er schon von mir abhängig gewesen und ich hatte für ihn getan, was möglich war. Ein zweitesmal würde es anders sein.

Auf alle Fälle hatte ich den Brief und Hoffnung, Kraft und Energie lebten ersichtlich in mir auf. Am nächsten Sonntag er­wartete ich wieder einen Brief, aber auch das Antworten ließ ich mir nicht nehmen. So schrieb ich der Großmutter, die mir in ihrem Namen Antwort gab. Die ,, Herren" in der Zensurstelle waren viel zu blöde! Es war ein Zufall, wenn sie etwas erwischten. Ich war überaus glücklich und von solcher Lebensfreude beseelt, daß ich mich direkt zurückhalten mußte. Es schien mein Temperament mit mir durchzugehen. Ein Spielzeug nach dem anderen stellte ich fertig und ein Tag nach dem anderen zog mit Windeseile vorüber. Das Elend im Lager berührte mich überhaupt nicht mehr. Gab es wieder einmal einen Schlag, schüttelte ich ihn einfach ab wie ein geprügelter Hund.

Freude hatte ich zu jeder Arbeit. Was ich machen mußte, ob angenehm oder unangenehm, war mir gleich. Mein Leben begann ja wieder zweckerfüllt zu werden.

Draußen, vor den Baracken, wirbelten die Flocken. Weihnacht­liche Stimmung zog durch unsere Elendsgassen, in denen sich das Elend seit Ende September immer mehr vergrößerte.

Es waren viele Tausend russische Gefangene eingeliefert wor­den und jeden Tag, wenn es dämmerte, zogen die erdbraunen Ko­lonnen an uns vorbei. Furchtbar war der Anblick. Ein Mensch, der das nicht gesehen, kann sich vom Erhaltungstrieb eines Menschen keine Vorstellung machen. Einzelne Gefangene kamen auf dem Bauch durchs Tor gekrochen, andere wurden auf den Schultern ge­schleppt. Sie waren verhungert, verwundet, verlaust! Was sollte noch werden?

Für uns gab es schlimme Tage, grauenhafte Stunden im Anblick des Massensterbens.

Eines Abends, es war ein sonniger Herbsttag, mußten wir alle nach dem Appell in die Blocks verschwinden. Ich lag im Block 27, der sich im zweiten Ring befand. Von da aus, und zwar von der rückwärtigen Seite, war es möglich, zwischen Block 26 und 27 das Eingangstor des Lagers zu beobachten.

Über die Mauer hörte man Motorengeräusch und Kommando­stimmen. Nach nicht allzulanger Zeit wurden rund 2400 Russen in Fünferreihen durch das Tor getrieben, durchwegs ganz junge und frische Leute, die, mit Brotsäcken und Mänteln ausgerüstet, ein­marschierten. Auf den Rücken ihrer Uniformen waren mit Ölfarbe die Buchstaben SU gemalt. Am Ende des Zuges befanden sich allem Anschein nach Kranke, Verwundete und Verhungerte, die den Strapazen nicht gewachsen waren.

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