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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Auch unter den Kameraden gab es harte Kämpfe, politische Ansichten verschiedener Richtungen. Speziell wir spürten das emp­findlich und mußten natürlich schwer darunter leiden. Ebenso wie in Dachau , hatte ich hier das Gefühl, daß es zu einer Palastrevolu­tion kommen mußte. Aber wer sollte sie hier zur Durchführung brin­gen? Ich war viel zu schwach und auszahlen würde sich's wohl auch nicht mehr.

Wie lange noch, dann würde auch ich den Flammen zum Fraẞ hingeworfen werden.

Wie lange noch, und die Raben würden auch aus meinem Leibe dort hinter der Mauer ein Stück herausholen. Wie lange noch, und ich würde irgendwo im Staub, der Liebsten denkend, den letzten Hauch tun, wie tausend andere hier in diesem Heer!

,, Alles oder nichts!"

Oft stand ich einsam, abendliche Glut umhauchte mein stilles Grübeln. Da schaute ich meine Arme an und weinte, denn sie glichen dem, der das Symbol des grauen Endes ist. Nichts als Knochen! Still lauschte ich meinen trüben Tiefen, sie sagten etwas, was ich selbst nicht glauben konnte: ,, Ja, du wirst! Dein Ende sieht dies Fleckchen Erde nicht! Raff' dich auf, du wirst noch selbst der Schrein des Lich­tes." Ich aber glaubte es nicht. Wer hätte mir noch Lebenskränze winden sollen, wenn ich das Ende vor meinen Augen hatte? Nie­mand! Und doch verließ mich alles Hoffen nicht. Die Liebste schwebte vor mir in allen Formen. Auch sah ich sie in anderen, liebevollen Händen. Im stillen Kusse beugte sie sich dem Liebenden. Ich sah das Bild und konnte nicht mehr stehen. ,, Geh!", so rief die innere Stimme. ,, Geh, Verrückter!" Täglich wartete ich auf Post. Ich schrieb und schrieb immer wieder jeden zweiten Sonntag. Die erste Zeit kamen die Brieflein wohl noch regelmäßig, aber nun war­tete ich längst vergebens, es war mir keines mehr vergönnt. Wo mochte denn jetzt der Teufel mir die Ketten schmieden? Vor Gram vermochte ich trotz allem Hunger nicht zu essen. Sie war mir näher, sie, für die ich gerne litt, ja auch gestorben wäre. Herr, wenn du es mir befohlen hättest!

Tage, Wochen schwerster Arbeit vergingen. Kein Ende der aus­gesuchten Qual war abzusehen. Und immer wieder lauschte ich ihrem zarten, lieben Stimmchen: ,, Du hast mein Wort, nur glaube an mich!" Menschen kamen und gingen. Keine Hoffnung zeigte sich mir. Kein Brieflein kam mehr in meine Hände. Vergebens das Warten. Es war umsonst!

Wochen schlichen an mir vorbei. Tiefe Spuren hinterließen sie. Aus vielen Wunden blutete ich, meine Hände waren offen, die Füße waren durch die Holzschuhe blutig gerieben. Eine Wunde ver­heilte, die nächste kam. In der Lunge spürte ich ein leises Stechen. Das Herz pochte und schmerzte.

Seit Tagen regnete es, als wäre der Himmel offen gewesen. Mein Kamerad und ich trugen Mist in den Garten, abwechselnd

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