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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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seinen Krempen trotzt dieselbe harte Stirn wie zuvor. Gott sei Dank! Täglich und stündlich erlebten wir das mit unseren Kameraden. Sie blieben hart und wurden nur noch härter, sie blieben treu und wurden nur noch treuer!

Nach einer Stunde voll Verspottung und Prügeln kam, von seinem Stab umgeben, der Lagerführer. Er war ein kleiner, älterer Mann, aus dessen Gesicht wie aus dem seiner Knechte das Unter- menschentum sprach.

Ein Oberscharführer, der seine Mappe unter dem Arm trug und dem Lagerführer zur Seite stand, verlas unsere Namen. Die von Dachau überstellt wurden, meinte er, sollten sich links ans Tor stellen. Jetzt war es schlimm um uns geworden, denn das war der Platz der Delinquenten, der Todgeweihten. Besondere Aufmerksam- keit auf sich zu lenken, bedeutete Entsetzliches.

Am Tor nun wurden wir von den dort stehenden Figuren erst einmal von oben bis unten gemessen, befragt und geschlagen.

Die auf der rechten Seite wurden inzwischen schon mit sämt- lichen Lagermethoden vertraut gemacht.

Erst einmal weit über eine Stunde tiefe Kniebeuge mit Wippen, dazwischen Fußtritte von rückwärts, Bauchtritte von vorne. Ja so- gar den auf dem Boden Kauernden wurde mit aller Kraft ins Gesicht getreten, andere wieder mußten sich im Schmutz des Bodens herum- balgen usw.

Uns, Gott sei Dank, ließ man vorläufig in Ruhe. Aber auch das war nicht gut! Wir wußten ja schon zur Genüge, was in dieser Hölle gut und schlecht war!

Alles andere verlief wie im anderen Lager.

Leo und ich fragten uns:Was mögen die nur mit uns vor- haben? Ein Kamerad, der schon einmal da war, wußte einiger- maßen Bescheid. Nur diesmal blieb auch sein Denkwerk stecken. Kann schlimm, aber auch gut sein, meinte er im Flüsterton zu mir.Wenn nur nicht der ‚Eiserne Gustav da ist, dann ist's schon besser!"

Eiserner Gustav?, dachte ich.Na, soll schon, wird uns auch nicht ganz fressen.

Später allerdings habe ich böse und gute Erfahrungen gemacht mit dem Eisernen Gustav!

Nerven hatten wir beide schon keine mehr und somit war auch inzwischen meine Hose wieder durchnäßt. O Gott, wenn nur das einmal aufhören würde! Wenn ich wenigstens da nichts mehr zu leiden hätte, ich wäre schon bedeutend glücklicher!

Ja, was will der Mensch nicht alles!

Immerhin hatte jetzt für mich die schrecklichste Zeit begonnen,

das wußte ich. Was nun auch an Kleinigkeiten vorgekommen sein.

mag, war nicht erwähnenswert. Daß man am Tage x-mal mit den Fäusten begrüßt wurde oder mit dem Schaufelstiel einige über den

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