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“und Wurz reißen will. Er wacht und leidet weiter, mit ihm aber
auch du, ewiger Sucher! Dort steht die Behausung, lieblich und klein. Schindeldach und Stroh decken den uralten Stein, aus dem uns kleine Fensterlein grüßen, deren Bänklein bunte Blumen tragen. Sie erhalten das Dunkel in ihnen und beleben das Gemäuer wie Augensterne, die dunkel, lebendig und liebevoll aus dem Antlitz des Gebirglers grüßen, der den alten Stein seit hunderten von Jah- ren verteidigte und mit seinem treuen Blut schützte. Auch ihm droht, alle Unmenschlichkeit zu durchleben. Du glaubst, ich will mit deinem Zerfall eingeäschert werden, vermodern? O nein, ich weiß, mit mir brauchst du das neue Kleid, die neue Jugend, auf daß auch du mit mir den neuen Schritt halten kannst. Aber der Pulsschlag muß der gleiche geblieben sein. Dein Stil muß mich an dich binden und für ewig verpflichten. Kein Förster baut sich ein Hochhaus auf in seinen Wäldern, denn das würde entweder die Försterei oder ihn begraben.
So stehst auch du, mein Heimathaus, im stillen Grün und war- test auf deinen Beleber.
Und wenn eine Menschenklasse glaubt, den Tannenbaum mit Eichen schmücken zu können, dann rate ich ihnen ärztliche Hilfe. Sie werden daraufkommen müssen, daß man ein Eichhörnchen nicht im Mäusenest aufziehen kann. R
Und wenn eine reformierende Vereinigung im Weltengetümmel meint, daß sich der Gebirgsbauer im Salonfrack wohlfühlt oder am liebsten mit dem Luftschiff seine Schafe hüten würde, dann soll diese Gemeinde es versuchen, den Wald mit Taschenmesser und im Frack abzuholzen. Ich glaube, sie werden ihr Vorhaben bald aufgeben. Und wenn solche Menschen weiter glauben, man erziehe jemand in der Schule zum Komponisten oder Dichter, wenn er eigentlich zum Rennfahrer berufen ist, dann werden beide eher sterben müssen, ehe sie ihr Ziel erreichen.
Und habt ihr die Sitten und Gebräuche in des Dorfes Hütten zerstört und an die Stelle der bodennahen, verwitterten Bauten Gesellschafts- und Hochhäuser gesetzt, dann habt ihr das Herz der ehemaligen Beleber dieser alten Mauern eben vernichtet.
Mit solchen Experimenten wird jede Kultur zerstört, die Milch aus dem Busen der Mutter gesaugt und das Leben dem Säugling genommen.
Und wenn der Preuße glaubt, seine Soldatenlieder dem Ge- birgler mit aller Gewalt eintrichtern zu können, dann soll er den Kanarienvogel den Schrei des Kauzes oder umgekehrt zu lehren versuchen. Ich warte gerne und werde vor ihm den Hut zur Erde senken, wenn ihm das gelingen sollte. Aber ich glaube, es werden mein Warten ebenso wie seine Bemühungen umsonst bleiben.
So sicher bin ich, daß mein Volk im Grunde sich treu bleibt, im strengsten Falle nur die Feder auf dem Hute wechselt! Unter.
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