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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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tafel, auf der schwarz der Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen gemalt ist.Neutrale Zone, es wird sofort geschossen. Dann kam noch ein schmaler Rasenstreifen, nach ihm ein hoher Zaun aus Stacheldraht, der wie der darauffolgende mit Starkstrom geladen war. Hinter diesem liefen ein Karrenweg, der zu den MG-Türmen führte, und eine hohe Steinmauer, die die Türme verband. Auch auf ihr war in einigen Reihen geladener Stacheldraht angebracht. Auf den Turmspitzen standen Scheinwerfer, die nachts ihren hellen Lichtschein über das ganze Lager warfen. Unter ihnen drohten die MG-Mündungen zu uns. Ständig geladen, immer feuerbereit, so hatten wir sie als grinsenden Tod vor den Augen. Kaum durften wir unsere Augen nach links oder rechts bewegen, denn in unseren Reihen gab es schon wieder furchtbare Prügel und zusammen- sinkende Menschen. Vorerst waren die Mordgesellen noch am

‚unteren Ende unseres aufgestellten Zuges. Wenn sie nur dort bleiben würden! Aber nein, sie wechselten ab. Einmal fingen sie sich unten,.

dann wieder bei uns ein Opfer heraus.

Man zitterte an Leib und Seele, denn sie waren unsagbar roh. Bald hätten sie mit ihren genagelten Stiefeln uns die Knochen in Trümmer getreten. Aber auf alle Fälle waren einige Rippen ge- brochen. Und niemand von uns getraute sich, den Platz zu ver- lassen, es wäre ja auch denkbar unklug gewesen, da.es unzählige Opfer gekostet hätte. Man würde damit unschuldige Familienväter an die Wand gebracht und unzähligen Kindern den Vater geraubt haben.

Also schweigen und opfern, lange konnte es doch unmöglich mehr dauern.

Draußen in den Fernen wütete der Krieg. Er mußte doch eine Änderung bringen, eine Erlösung schaffen! Meine Augen erhoben sich gegen den trüben Himmel und ein stilles Gebet entstieg meinem Herzen.

Was magst du wohl jetzt in unerreichbarer Weite treiben, du mein Mädel? Mag hier mein neues Ringen um Tod und Leben doch nicht umsonst sein! Du hast dich zu meinem Leidensprinzip dazugesellt. Es ist nicht mehr mein Freiheitskampf allein, der mich dazu bestimmte, nein, du bist nun das heilige Wesen, für das ich einen neuen Kampf zu tragen habe. Seelische Spannungen, Kämpfe, innerliches Daseinsringen größten Ausmaßes begannen ihre Ein- flüsse zu üben.

Vorher hatte ich doch leichter getragen es war ja nur mehr mein dreckiges Leben zu verteidigen, jetzt aber waren es auch die Liebe, die mich anfocht, der durch sie entfesselte Schmerz, Kummer, Sorge, mörderische Eifersucht, unablässige Grübelei, Angst um sie, die mich still in ihrem Herzen eingebettet. Ihr Dasein war doch in größter Gefahr! Ich war der Schlüssel, der Anlaß ihres Existenz- kampfes, ja noch mehr. Durch mich gab es Plänkeleien in ihrem

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