„Schwein, was hast du ausgefressen? Deinen Namen sollst du sagen, du Drecksau! Warte, du kannst etwas erleben!“
„Hast vielleicht noch Kinder auch? So? Das werden wohl auch solche Ratten sein wie du, Dreckschwein!“
Einer fragte mich gleich bei der Aufstellung am Bahnhof, wie lange ich noch zu leben gedächte. Ich solle mich nur ja keinen falschen Hoffnungen hingeben und vielleicht gar ans Heimgehen denken!
Also das war ungefähr der Ton dieser Bestien. Und da sollte man vielleicht noch sagen, man habe zu wenig Platz im Wagen? Es wäre wirklich Selbstmord gewesen!
Endlich, nach langer Zeit im Durchgang des Haupttores des Lagers angekommen, hieß es:„Raus!!!”
Alles im Tempo und schon in Reih und Glied: angetreten. Um uns zwanzig bis fünfundzwanzig höhnische, freudestrahlende Ver- brecherlarven. So standen sie, breitspurig, die Hände in die Hüften gestützt, die Mütze etwas im Nacken oder den Schild derselben über das rechte Auge gezogen. Aus ihren Gesichtern schrie die Mordlust. Es fehlte nur noch der Befehl:„Los! und wir wären zer- rissen gewesen. Das war der gewohnte Anblick, diese Trupps. So hatten wir sie ja schon jahrelang vor uns. So schmachteten wir jetzt schon seit Ewigkeiten, ganz wie die Maus in den Krallen der Katze. Halb erschlagen und doch noch am Leben. Mit kurzen Wor- ten: Spielbälle! Was wird nun werden?
Ein trüber, regnerischer Tag. Es ging durchs Tor, das die Auf- schrift trägt: Arbeit macht frei! Ein festes, geschmiedetes Eisen- gitter, das zur rechten Zeit auch elektrisch geladen werden konnte. Rechts ein Fenster, das die Blockführerstube zeigte. Auch dort grin- sten einige schadenfrohe Gesichter heraus. Wie oft erinnerte mich ihr Anblick an die Knechte aus den vierzehn Stationen des Leidens Christi!
Immer wieder das gleiche Bild!
Wir haben seit Christi Zeiten nichts Besseres gelernt, nur Schlechteres angenommen. Gleiche Brutalität, gleiche Un- menschlichkeit, gleiche Präpotenz!
Dieselbe Atmosphäre wie in Dachau , nur gab es hier anfäng- lich in den Uniformen Abwechslung. Man sah nur dunkle Reithosen und Röcke von den ehemaligen preußischen Ulanen- und Marine- korps, nur ohne Bänder. Sonst war alles gleich.
Hier sinkt einer unter den Hieben eines Blockführers in den Staub, dort, zwischen den Baracken, kriecht ein Kadaver längs der Bretterwand, kaum noch von den Beinen getragen.
Wir mußten uns links vom Tor in Fünferreihen aufstellen, das Gesicht der schrecklichen Mauer zugewendet. Ein wunderbarer An- blick! Vor uns ein schmaler Wiesenstreifen, den ein enger Geh- steig durchbricht. Am Anfang desselben erhebt sich eine Warn-
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