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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Möglichkeit ergebe, könnten wir dort zusammentreffen. Der Mann, ein sehr aufgeweckter, raffinierter Bursche, bereitete trotz dem Posten diese Zusammenkunft glänzend vor und so kam es, daß wir zum erstenmal länger als sonst miteinander sprechen konnten. Bisher waren wir immer nur ganz kurz beisammen gewesen. Was wir einander zu sagen hatten, schrieben wir auf kleine Zettelchen, die wir einander im Vorbeigehen in die Hand drückten oder zu­warfen. Einmal, es war kurz vor dem 1. Mai, als ich beauftragt worden war, das Klavier des Pfeffermeisters Fülle zu stimmen, ergab sich die Möglichkeit, Elfi kurz zu sprechen. Wir küßten uns schnell, ohne vorher viel zu reden und verschwanden in den Gängen des sogenannten Betriebsgebäudes. Am 1. Mai trafen wir uns in den Kanzleiräumen. Unser Bekannter unterhielt den Posten, dem er aus der Betriebskantine einige Flaschen Bier gebracht hatte, während ich mit Elfi sprach. Später mußte der Aufpasser einen Eimer mit den Geschenken ins Gerätehaus bringen. Er hatte ihn mit Malwasch­bürsten vollgestopft, so daß man den Eindruck hatte, er enthalte nur Handwerkszeug. Der Posten hatte sich inzwischen gehörig an­gesoffen. Ich kam nun und leistete ihm Gesellschaft, damit auch der andere Häftling mit seinem Bräutchen verschwinden konnte. So konnten wir uns gründlich aussprechen und alles sagen, was uns sonst nicht möglich war. Allerdings ging das nicht ohne Wissen der Gegner. Auch dieses ,, Vergehen" erfuhr mein Chef bald, obwohl niemand außer uns Malern davon wußte.

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Noch im Mai so wurde mir vom stellvertretenden Chef mit­geteilt hatte Vogt eine Meldung nach Berlin an den Reichs­führer SS Himmler losgelassen, der mich am 28. Juni durch den Blockführer vom Arbeitsplatz holen ließ. Anscheinend wollte Himmler nicht gleich zugreifen, damit mein Chef der Lagerführung gegenüber nicht zu belastet dastehe.

Schon einige Tage vorher wurde mir das Verlassen meines Ateliers strengstens verboten und dem Posten befohlen, mich zu bewachen. Fülle, der absolut Mensch war, hielt mich dennoch ständig auf dem Laufenden, so daß ich genau wußte, was mit Elfi geschah.

Eines Tages wurde ihr Vater gerufen, der in einem Auto an­gefahren kam. Erst glaubte ich, daß dieser Offizier der deutschen Wehrmacht unsere Situation würde retten können, aber ich ver­rechnete mich gehörig. Er hatte zu tun, Elfi vor momentaner Ver­haftung zu schützen, um so mehr, als er als Nichtnationalsozialist bekannt war.

Malen konnte ich nun nicht mehr. Es war, als bräche mir der Brustkorb vor Sehnsucht. Kaum nahm ich Pinsel und Palette, so übermannte mich der Schmerz. Ich legte beide wieder zur Seite und grübelte neben der Staffelei. Nur die Partitur meiner Symphonie, die dem Ende zuging und an der ich unwahrscheinlich fleißig ar­beitete, tröstete mich und half mir, die trüben Gedanken zu über­

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