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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Inhalt mich schwer traf. Mein Bruder Erhard, der immer sagte, er wolle erst nach einem Wiedersehen mit mir sterben, mußte durch die verfluchte Hetze des Gegners jämmerlich zugrundegehen.

Ich war tief erschüttert und rannte gleich einem Tier hinter seinen Käfiggittern vor dem geladenen Stacheldraht hin und her. Niemand konnte helfen und ich brauchte ungeheure Kraft, mich wieder aufzurichten.

Schon einige Tage vorher war Bobner, der aus meiner Heimat­stadt stammte, zu mir gekommen. Er hatte auch Post erhalten und mir mitgeteilt, daß meine Braut sich verheiratet habe.

Ich hatte damals Menschen sehr gern und wenn einer, den ich ins Herz geschlossen hatte, sich von mir trennte, tat es mir furchtbar weh. Solch plötzlicher Fall in leidvolle Tiefen bereitete mir jedes­mal kolossale Pein. Man hatte sein Herz vergeben im Drangrausch seiner Reife, man trank vom Kelch der Jugend und war bald be­rauscht. Das sind unausbleibliche Kinderkrankheiten! Wie tief das aber meine empfindsame Musikerseele traf, ist anders eingestellten Menschen oder Durchschnittsgeschöpfen unverständlich. Es war immer so, daß man im Lager auf Wellen schritt, die sich hoben und senkten. So ging es nicht nur mir, so ging es allen! Diese Zeit drückte einen vollkommen nieder und riß zu Boden.

Um so böser war das alles für mich, als Verrat drohte. Ich weiß genau, daß Künstlerneid und Eifersucht auch hier eine große Rolle spielten.

Bei vielen kam dazu die Angst, ihre Position durch mein Auftreten gegen die SS und deren Methoden zu verlieren. Jeden­falls hatte ich dafür gesorgt, daß sie mir momentan nichts antun konnten und hatte ihnen alle Wege, die sie einschlugen, abgeschnit­ten. Im Lager wie in den Arbeitsstätten hatte ich große Vorteile er­zielt. Es war mir sogar möglich, für das Arbeitskommando Plantage Brotzubußen und andere Zulagen herauszuschlagen. Das Kommando der Plantage bekam vormittags ein Stück Brot, später sogar ein Butter- oder Wurstbrot, was bei unserem Ernährungszustand eine große Rolle spielte.

Die Entziehung eines Stückes Brot hatte ja oft in kurzer Zeit den Tod zur Folge.

Ich ging so weit, dem Obersturmführer Vogt einen Konfinierungs­antrag vorzulegen und ihn zu bitten, er möge das Malerkommando durch eine Eingabe nach Berlin in ein Verhältnis bringen, das man als Ehrenhaft bezeichnet, um es der Willkür der Lagerkommandantur zu entziehen. Erst schüttelte Vogt den Kopf. Ich wies aber auf meine Arbeit hin und erklärte, daß unter solchen Verhältnissen Künstler nie arbeiten könnten und daß ein auch nur scheinbares Freiheits­verhältnis Arbeit wie Produktion steigern würde. Ich wies ihm auch genau den Weg, auf dem er mein Ansuchen dem Reichsführer SS Himmler so unterbreiten könne, daß dieser es positiv erledigen müsse. Außerdem rechnete ich ihm den Zeitverlust vor, den wir

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