Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
69
Einzelbild herunterladen

Tuner­

den an­wurde. en weit­schehen auch in

-Unter­erichtet die die um drei in der

hstation

er Aus­ch hatte mationen en Kreis

möglich.

Arbeits­

telbaren Hie maß­Aufgabe ersetzen

ckführer

da er e Capos Gemüse, e Posi­gt und konnte.

en blind Arrest, gelegen­Bravour ngswahn

benahm zwischen

bis zum

Stunden en, wenn mmando

n Säcken Arbeits rbindung

gewohnt

dem Gegner ohne Schutz und Hilfe gegenüberzustehen, wankte nie. Sie war furchtlos und bestand daher jede Probe mit nie dagewesener Standhaftigkeit. Es war auch selbstverständlich. Diese Jugend hing an ihrem Leben mehr denn je und brauchte als Führer ebenfalls junge Menschen, die dafür garantieren konnten, sie aus diesem Leben herauszuführen.

Das Leben im Lager ging weiter. Die ganze Organisation im sogenannten Unterholz glomm weiter und verbreitete sich schnell und gut. Kein Mensch wußte, wer der Kopf war.

Ich ging nun zur Aufstellung einer regelrechten Lagermusik über und versuchte, Musiker und Notenmaterial zusammenzu­bringen. Ein Wiener Friseur namens Kotzlik war der Hauptcapo, wenn es sich um die Beschaffung von Instrumenten und Noten han­delte. Er war der sogenannte ,, Rüsselputzer" des Lagerführers und hatte die Aufgabe, sämtliche Kommandanten zu rasieren und herzu­richten. Also mußte er das Sprungbrett zur Lagerführung werden. Wir spielten ja, aber wir wollten mehr, wollten nicht zuletzt die Musik als Brücke zwischen uns und der SS benützen. Bisher hatten wir uns als Quartett und als Sextett zusammengetan und jeden Sonn­tag im Revier und in den verschiedenen Blocks gespielt. Das ganze Lager atmete unter den Klängen auf und jeder Hörer erlebte sich während dieser Zeit als Mensch.

Immer angesehener wurden die Spieler, auch bei der SS. Im Revier wurde sogar getanzt und selbst der größte Krüppel freute sich seines Lebens wieder. Mit einem Sänger, der die chromatische Harmonika meisterhaft beherrschte und wunderbar sang, gingen wir Sonntag früh von Bett zu Bett, von Zimmer zu Zimmer. In den Gängen spielten wir gleich für eine ganze Abteilung. Manche Freudenträne dankte uns, mancher Sterbende schlummerte unter perlenden Tönen hinüber. Bei Beginn der Serenade tastete sein Blick die Wände entlang, dann neigte er das Haupt dankend uns zu, um unter den letzten Akkorden einzuschlummern. Wie oft schluchzte auch ich! Viele Tränen vertrockneten auf dem wurm­stichigen, dunklen Lack meiner Geige, indes mancher Zuhörer lautlos starb.

Während wir jeden Abend nach schwerer Arbeit einmal in dem, dann in einem anderen Block konzertierten und so mit der Zeit das Musikmachen ,, legalisierten", gab es darüber verschiedene Ansich­ten. Auf der einen Seite standen die Jugend und alle, die entschlos­sen waren, gegen die Möglichkeit eines Zusammenbruches aufzu­stehen. Die andere Seite, für die ich nur schwer eine Bezeichnung finde, verwarf alles, was nicht von ihren Gehirnen gelenkt werden konnte.

Daß die Zeit solchen Menschen das Werkzeug aus den Händen schlägt, können diese bürokratischen Philosophen nicht begreifen. Das Volk will Taten sehen und am Leib verspüren, daß ihm geholfen wird. Es will bei Lebzeiten eine Daseinsverbesserung spüren und

69