korb in Neumanns Kanzlei, die sich außerhalb der Untersuchungsanstalt befand.
Da wir Häftlinge keine Schreibmaschine besaßen und dieser Zettel dann von mir ,, aufgefunden" wurde, mußte ich Vogt den Vorfall sofort melden. Er stellte fest, daß es sich um die geheime Teemischung handle und der Zettel auf der Schreibmaschine Neumanns geschrieben worden war.
Damit war Neumann verdächtig, das Geheimnis der Teemischung in die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Er wurde sofort durch Kommandobefehl aus Berlin aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschlossen und an die Front versetzt.
Damit war das Kommando von einem Schrecken erlöst, aber auch vor großem Unheil behütet. Viele Unglückliche, die Neumann in die Hände gefallen waren, hatten ihr Leben lassen müssen oder waren zu Krüppeln geschlagen worden. Den Schmutz meiner Handlungsweise tilgte das Bewußtsein, manches Leben erhalten, die Tränen mancher Frau, die ihren Mann oder Vater wieder erhielt, getrocknet zu haben. Ich brauchte mich daher dieser schmierigen Tat nicht zu schämen.
Nicht allzulange dauerte es, da bekamen wir statt des Untersturmführers Neumann einen älteren, gesetzten, sehr anständigen und aufrichtigen Zivilbeamten namens Fülle, der nun die Geschäfte des Untersturmführers besorgte. Da er seinerzeit bei der Polizei gewesen war, erschien er in Polizeiuniform. Er verschaffte sich dadurch bei den Blockführern kolossalen Respekt, was sich wie ein Lauffeuer über die ganze Plantage verbreitete.
Wir Maler unterstanden nur mehr dem Obersturmführer Vogt. Kein anderer Vorgesetzter vom Arbeitskommando hatte mit uns zu schaffen, noch durfte er uns draußen im Arbeitsbereich bestrafen. Dafür hoben sich gewisse Blockführer alle Gemeinheiten, die sie uns sonst nicht zukommen lassen konnten, für den Lagerbereich auf. Wenn wir einrückten, fielen sie wie losgelassene Kettenhunde über uns her.
Da der Krieg außerhalb unserer Mauern in vollem Gang war und die Welt gespannt die Ereignisse verfolgte, während bei uns im Lager öfter Radioansprachen Hitlers und anderer Leute übertragen wurden, versuchte ich, einen Plan zu entwerfen, der eine illegale Kampffront im Lager zum Ziel hatte. Diese Front sollte nicht mit Waffengewalt gebaut werden. Sie hatte die Aufgabe, noch engeres Zusammengehörigkeitsbewußtsein und Kameradschaft zu pflegen. Vor allem machte die Zeit es notwendig, etwas zu schaffen, was uns für den Fall, daß das Regime zusammenbrach, stark erhalten sollte. Nicht Politik, nicht Rache sollten die Gründer dieser Front sein. Es durfte auf einer solchen Schädelstätte keine auseinanderlaufenden Ansichten geben, es konnten die Zusammengeketteten nicht eigene Wege gehen, weil die Ketten sie banden.
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