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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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,, Mit mir gegangen, mit mir gefangen, mit mir gelitten", hieß es ein­fach, und, wenn notwendig, auch ,, mit mir krepieren!" Das mußte Überzeugung und Einstellung aller Häftlinge werden!

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Im Lager waren alle Schattierungen der politischen Parteien vollkommen einig. Wir wußten genau, daß kein Hieb, der uns traf, fragte, ob er einem Österreicher oder einem Reichsdeutschen galt. Das Verbrennen nach den Seinen war das natürliche Leid jedes Häftlings. Weg mit Kette und Nummer, einmal wieder Mensch werden war unser Ziel. Daß das Regime fallen mußte, war uns so klar wie den Leuten draußen. Dazu konnten wir wohl nichts Wesentliches beitragen, außer, uns zu erhalten, immer vorhanden zu sein. Was sollten wir, wenn die Front brach, tun? Uns hinstellen, uns zusammenknallen lassen wie räudige Katzen? Sollten wir hier vielleicht streiten, welche ,, Richtung" die bessere wäre? Sollten wir während der Hinmetzelung von Häftlingen auf Plakaten und mit Schlagworten zu raufen beginnen? Vielleicht mit Geige und Bogen die Maschinengewehrkugeln auffangen? Nein! Wer die Möglichkeit hat, zu beginnen, beginnt. Auf das Ziel kommt es an!

Bis auf kleine persönliche Gegensätze waren wir einig und von brennendem Haß erfüllt, der eigentlich nur mehr dem Lager galt. Selbstverständlich vergaßen wir nicht, daß unser Elend, die uns umgebende Niedertracht vom ganzen verführten Volk, das sich zum Nationalsozialismus bekannte, heraufbeschworen worden waren. Wir spürten den geringsten Rückschlag, der sich irgendwo in einer Ecke der Heimat bemerkbar machte, und wußten jedesmal, wenn die Faust uns traf, daß es irgendwo im Land oder an der Front nicht den Wünschen des Nationalsozialismus entsprechend gegangen war.

Durch meine Musik und meine Malerei, die mich bekannt ge­macht und den Schlüssel zur verschlossenen SS geboten hatten, fand ich zahlreiche Möglichkeiten. Ich wollte weder Führer noch Held des kommenden Tages sein. Außerdem war die Zeit vielleicht noch lange nicht reif. Man wußte auch zu genau, daß man bald sterben konnte. Also war mir jedes Auftreten fremd und eklig. Zeitverhält­nisse und vor allem die Menschheit widerten mich an. Im Kampf um sein Leben kann man den Menschen hassen lernen, wenn man seine naturbedingten Schwächen nicht kennt. Von solchen Leuten Politik zu ertragen, ist zu viel verlangt. Überhaupt- nach dem Nationalsozialismus sich eine Partei vorzustellen, ist unmöglich. Wer will nach einer Niederlage noch einer Partei angehören? Einem Menschen trauen? Das deutsche Volk wird einstimmig die Worte ,, Brot und Leben, Freiheit und Gerechtigkeit" in alle Welt rufen. Das wird die Politik der Zukunft sein.

Für mich bleibt die Kunst ewige und einzige Richtlinie und der Mensch gilt mir als notwendiges Übel der Schöpfung.

Ich besprach mit den engsten Kameraden, hauptsächlich mit Gaster, der mir nicht nur als fähig, sondern auch als treu und ver­

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