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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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gericht, doch das Ergebnis war immer gleich Null. Dafür dankte ich meinem Herrgott aufrichtig. Wehe, wenn man mir auf etwas gekom­men wäre oder wenn ich nur das Geringste zugegeben hätte, nach­dem ich vorher erklärt hatte, nichts zu wissen. Meine letzte Stunde hätte geschlagen.

Der Frühling war inzwischen durch Schöpfungsurkraft aus allen Schollen, aus den letzten Enden des Gezweigs getreten. Es lockerte sich die Erde und Krokus grüßte uns. Kiebitze durchpflügten die klaren Lüfte und die Wolken zogen über unseren Häuptern zu den im Süden gipfelnden Bergen. Schnell, noch schneller suchte ein Herz­schlag den anderen einzuholen und die Lebenslust in uns schwoll von Stunde zu Stunde. Hoffnungen stiegen auf! So gebar die Erde draußen und in uns den Frühling. Wie alljährlich, entstanden in der Phantasie der Häftlinge immer wieder neue Vermutungen und opti­mistische Meinungen, die ihnen über ihre schweren Tage hinweg­helfen sollten.

Es ging die Parole durch das Lager, daß wir gefangene Polen und Juden bekommen sollten, daß die Arbeitskommandos verstärkt und ihre Ausfälle aufgefüllt werden würden, und Blockführer, vorgesetzte Untersturmführer und Kommandoführer in den Arbeitsstätten hiel­ten Hetzreden gegen das polnische Volk, das in Kürze eintreffen sollte. Man erklärte uns, daß wir mit Prügeln bewaffnet werden wür­den und daß jeder Capo verpflichtet sei, mit allen Mitteln gegen dieses kulturlose Volk aufzutreten. Es sei notwendig, diese unmög­liche Rasse aus der Welt zu schaffen.

Bald trafen die ersten Transporte ein, hauptsächlich Juden und polnische Hochintelligenz. Auch der Plantage wurde ein größeres Kommando zugewiesen, nachdem man die Ankömmlinge ihrer Ringe, Eẞvorräte, Zigaretten und Pelze beraubt hatte. Die schwersten Arbei­ten wurden ihnen zugewiesen, und wo sich einer blicken ließ, wurde er geschlagen und verhöhnt. Sie glichen keinen Menschen mehr und wurden, nachdem man ihr Land zerstört und ihre Familien ver­schleppt hatte, als vernichtungswertes Übel angesehen.

Draußen, im Freiland, unter offenem Himmel, jeder Witterung ausgesetzt, standen sie an ihren Arbeits- und Sterbestätten und trotz­ten dem Ende mit unvergleichlichem Mut. Niemand von uns konnte ihnen helfen.

Gern hätten wir es getan, da wir längst wußten, was die SS be­zweckte.

Die armen Teufel erzählten uns von den Schrecken des Krieges, von den rücksichtslosen Schlägen, die der Nationalsozialismus über sie hatte niedergehen lassen. Hier erfuhren wir, welche Opfer an Leib und Seele ein Volk zu ertragen hat, wenn über dasselbe die Kriegsfurie hinwegbraust. Keiner wußte etwas von Frau und Kin­dern, keiner etwas von Hab' und Gut, von Teurem, an dem der Mensch hängt. Sie waren arm!

Mit gläsernen Augen standen sie uns trostlos, mit bittenden

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