Am 27. April 1940 zog das kleine Plantagenkommando, be- stehend aus 100 Mann, wieder in die Baracken ein. Bald nach Been- digung von Aufräumungsarbeiten in den Baracken, die seit der Be- setzung durch die SS-Truppenteile in furchtbarem Zustand waren, kam der erste Lagertransport von Mauthausen nach Dachau zurück.
Unheimliche Nebelwolken verbargen die Erde. Eine schwache Schneedecke hüllte den Boden ein und trostlose Stimmung herrschte in den Seelen der Gestreiften. Einerseits waren wir in Erwartung,
© unsere Kameraden wiederzusehen, anderseits hatten wir bereits
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Nachricht, daß von den Tausenden und Abertausenden, die im vorigen Herbst in andere Lager transportiert worden waren, manche fehlen würden.
Es war 10 Uhr vormittags. Da öffnete der Posten das provisorisch angebrachte Tor und hinter dem Stacheldraht erschienen die ersten zwei des Transports. Sie stützten einander und bewegten sich schritt- weise langsam fort. Hinter ihnen kamen drei, dann wieder zwei— man hätte ihr Erscheinen als Marsch der Toten bezeichnen können.
- Fiel einer, konnte er sich nicht vom Boden erheben. Versuchte einer,
ihm zu helfen, bückte er sich nach seinem Kameraden, fiel er eben- falls und hatte nicht mehr die Kraft, sich aufzustellen. Die Gesichter waren eigenartig von Schmerz und Jenseitigkeit gezeichnet, die Augen lagen tief, die Backenknochen waren vorstehend und über ihnen hing aschgrau eine fahle Haut.
Wir konnten niemand wiedererkennen. Wenn man dieses Bild sah, hatte man das Gefühl, Leichen seien lebendig geworden und schritten hinter dem Stacheldraht auf uns zu. Lange dauerte dieser
- Marsch. Die SS, die sonst langsames Gehen nicht duldete, mußte vor
diesen schrecklichen Gestalten Halt machen. Es kam sogar vor, daß ein Posten oder Kommandoführer halten ließ, damit die Kolonne dieser lebendigen Leichen rasten konnte. Sie wankten wie trunken und man befürchtete, sie könnten in den geladenen Stacheldraht fallen.
Als der Zug.einmarschiert war und sich in den zugewiesenen Baracken niedergelassen hatte, gingen wir auf die Suche nach näheren Kameraden, die wir von ganzem Herzen liebten, mit denen wir im Vorjahr unsere Freizeit auf der Lagerstraße verbracht hatten. Es war verflucht! Wir konnten niemand erkennen! Sie, die uns durch die Tür kommen sahen, glotzten uns an, erkannten uns und zeigten mit verkrüppelten, knorpeligen, abgemagerten Händen zitternd auf ns und flüsterten leise unsere Namen. Hier fand ich meinen Kame- taden Bobner wieder. Nachdem ich ihm ein Stück Brot gegeben hatte, erzählte er mir, daß Paul von Butz, einer meiner engsten Kameraden, sowie Major Microys elend zugrundegegangen seien, indem sie, noch halb lebendig, unter einem Leichenhaufen erstickt seien.
- Ehe Paul von Butz sein Leben aushauchte, schrie er in seiner Verzweiflung alle Geheimnisse aus. Ein Blockführer, der das hörte,
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