wußte sofort, daß es sich um ein politisches Geheimnis drehte und schrieb die Worte des Sterbenden auf ein Blatt Papier . Später fiel ihm ein, Butz aus dem Leichenhaufen zu bergen, aber leider war es
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zu spät, besser gesagt, Gott sei Dank. Zwei Jahre hatte dieser treue
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Mensch unter größten Qualen standgehalten. Nun, in letzter Minute, gab er das Geheimnis preis. a So erzählte Bobner kurz und immer wieder atemholend das Ende| eines großen österreichischen Helden. Viele Kameraden, denen wir in unserer Freude einen gestohlenen halben Wecken Brot zuschoben, aßen diesen auf einmal. Sie gingen elend zugrunde. Manche, denen| wir einen Würfel Margarine zukommen ließen, konnten sich eben- falls nicht halten und starben bald darauf.
Wir merkten, daß.es notwendig war, mit aller Gewalt gegen die Hungernden aufzutreten und sie nur mit kleinen Stücken zu füttern. Viele hatten Ruhr oder Typhus und nur wenige kamen durch. Viele waren elend gestorben und hatten ihre Freiheit durch den Kamin erhalten.
Jeden Tag kamen neue Transporte aus allen Gegenden des Reiches ins Lager zurück und es dauerte noch lange, bis die alten Arbeitskommandos zusammengestellt waren. Nun ging es mit neuer Kraft und neuer Hoffnung in ein unbegrenztes jämmerliches Dasein. Morgens, wenn wir angetreten waren, trat der Rapportführer, ein Sachse, vor die Häftlinge und erklärte, wenn Leute in der Einteilung umfielen, sie sollten weniger herumrotzen, sondern ihren Rotz schlucken, dann brauchten sie erstens weniger zu essen und es würden auch viel weniger umfallen. 5
„Oder wollt ihr vielleicht sagen, daß ihr zu wenig zu essen habt? Ich finde, daß ihr noch zu viel bekommt! Uns ist es bedeutend lieber”, fuhr er fort,„wenn das ganze Lager umfällt. Dann brauchen wir keine Aufräumungskommandos, um den Appellplatz und die Lagerstraßen| in Ordnung zu bringen.“;
Diesem Sachsen waren immer zu viel Menschen im Lager. Er wäre am liebsten auf dem leeren Appellplatz gestanden.
Das kommende Frühjahr war ein furchtbarer Fresser von| Menschenleben. Alle, die sich mit Mühe über den Winter erhalten hatten, raffte es von der Scholle, entzog sie aller diesseitigen Pein. Die Tage und Wochen dieses Frühlings waren erfüllt von Schmerz und Trauer. Früh schon fuhren die Leichenfahrer mit ihrem Moor- expreß durchs Lager ins Revier, um die in der Nacht Verschiedenen| zu holen. Berge von Dahingegangenen gab es und mancher aufrechte‘ Kerl trauerte um seinen Kameraden. Das Lager glich einem Friedhof, in dem wir in unserer Freizeit mit gesenkten Köpfen wandelten. Wir klagten um die guten Gefährten, die uns noch vor kurzem zur Seitez gegangen waren und die einen besser verstanden hatten als ein anderer im entfernten Block liegender Kamerad. 4
Nach kurzer Zeit rückten alle Kommandos wieder zu ihren” Arbeitsstätten aus. Auch wir konnten uns direkt auf die Plantage)
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