ser aus purem Neid und Bosheit entfachten Hetzgespräche mußten wir bitter büßen. Man kam dann jedesmal zu uns ins Glashaus, tappte die reinen Malereien mit schmutzigen Fingern ab, warf sie auf den Boden und schmierte auf einer noch nicht fertigen Arbeit herum. War das aus irgend einem Grund nicht möglich, befahl man uns, mit dem Schubkarren zu fahren, wobei man uns, da man ja ohnehin die ganze Woche„faulenzte“, unmenschlich antrieb. Vollkommen ver- schmutzt und durchnäßt kamen’ wir dann in unsere Malecke zurück, Oft bluteten wir abscheulich und wußten nicht mehr, wie wir weiterarbeiten sollten. Der Blockführer stellte sich meist noch hinter uns und überschüttete uns mit Schimpfworten gemeinster Art, woran sich manche Ohrfeige schloß.
Als einmal ein Blockführer nichts mehr an uns finden konnte, fragte er Kascak nach seinem Beruf. Dieser antwortete, daß er Journalist sei.
„So“, schrie der Blockführer,„vor einiger Zeit sagtest du * Schwein, du seiest Redakteur!”
Sofort schlug er, ohne sich aufklären zu lassen, auf den armen Teufel ein. Es war ihm nicht klarzumachen, daß die beiden Berufe identisch seien, im Gegenteil, er schrieb noch eine Meldung, die Kascak wegen Anlügens eines Blockführers belastete. So war immer etwas los und stets versuchte man, uns ein Vergehen unterzu- schieben, um zu beweisen, daß wir für die uns gewährten Ausnahme- stellungen zu schlecht seien.
Untersturmführer Neumann, unser unmittelbarer Chef, stellte am Ende noch fest, daß wir zu wenig gearbeitet hätten und ließ uns hundertmal in den Schmutz des Glashauses legen. Er schrie und traktierte uns mit Händen und Füßen und ließ uns schließlich auf das Dach des Glashauses steigen, wo ich laut und deutlich die Worte:„Ich bin ein Schwein mit Eichenlaub und Schwertern!” im alle Gegenden rufen mußte. Er war ein vollkommen verrückter Mensch, der auch sonst, wenn er gar nicht schlecht aufgelegt war, sich ein- fach einen Häftling herausnahm und den armen Teufel fast zu Tode marterte, wobei er sich köstlichst unterhielt. Man war der Ver- zweiflung nahe...
Anfang Februar 1940 erschien ein Untersturmführer namens Vogt, der sich als Chef der gesamten Plantage ausgab. Er war ein älterer, ernster Mann, bei dem man seit Tagen feststellen konnte, daß er keinen schlug und daß seine Befehle eindeutig und klar ge- geben wurden. Er fragte, wie es uns gehe, wie unsere Arbeit uns gefalle und erkundigte sich außerdem eingehend um unsere Fami- lien-Verhältnisse. Wir merkten bald, daß es sich um einen Men- schen handelte, der eventuell sogar bereit war, auch aktiv für uns einzutreten.
Ich klagte über die Arbeitsverhältnisse und er versprach, daß er uns behilflich-sein werde, eine angenehmere Situation zu schäffen. Wir spürten das bald! Die Blockführer wurden zu ihm gerufen und
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