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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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letzten Zimmer dieses Laboratoriums, das noch keinen Boden hatte und dessen Kanalschacht offen war, brach ich zusammen und fiel mit dem Kopf voran in den mit Wasser gefüllten Kanal. Es gelang mir, mit allerletzter Kraft, mich so umzudrehen, daß ich mit dem Mund die Oberfläche des Wassers erreichte und dem Erstickungs- tod entging.

Das geschah in jenem Raum, in dem ich später die große Liebe in Ketten erleben durfte, aus der ich mir neue Kraft zum Kampf gegen das Weh holte, wo aber auch die Netze um mein Dasein, vielleicht fürs ganze Leben, gesponnen wurden.

Der Blockführer, der mich, wie ich später erfuhr, umbringen wollte, kam an die Stelle meines Zusammenbruchs zurück. Als er mich nicht mehr fand, weil ich mich inzwischen unter dem Mauer- werk hervorgearbeitet hatte, ging er zornig anderen nach.

Ich blieb bis zum Abend ohne Hilfe liegen, so daß ich die

- Wunden nicht abwaschen konnte. Mir blieb nichts übrig, als täglich

auf dem Arbeitsplatz zusammenzubrechen und von Kameraden in einem unbewachten Augenblick versteckt zu werden, um mein Leben wenigstens noch eine Zeit lang zu retten.

Weihnachten stand vor der Tür! Am 20. Dezember 1939 er- barmte sich meiner der ehemalige Capo Heiden. Es gelang ihm, für mich beim Kommandoführer Zeiss eine Bettruhe heraus- zuschinden. Ich durfte also meine Schlafstätte unter dem Blumen- tisch, unter dem ich seit Wochen meine Nächte zugebracht hatte, weiter benützen. Nur bekam ich, da ich nicht arbeitete, auch bedeutend weniger zu essen, da die Parole des Lagers lautete: Wer nicht arbeitet, braucht auch nicht zu essen!

Gaster, der seine Schlafstelle neben mir hatte, brachte mir,

- wenn er gerade durch das Glashaus lief, ab und zu ein Stück Brot,

das er der SS gestohlen oder sich selbst vom Mund abgespart hatte. Ihm wie mir war es hauptsächlich darum zu tun, unser Leben möglichst lange in treuer Kameradschaft bis zum letzten Atemzug zu erhalten.

Am 24. Dezember gelang es ihm, irgendwo drei oder vier Keks zu entwenden, die er am Abend an ein kleines Fichtenzweig- lein band. Er brachte es mir ganz verstohlen und geheim zur Schlaf- stätte, Dieses Astchen banden wir an die Füße des Tisches, unter dem wir mit Erinnerungen und Schilderungen vergangener Weih- nachten den Heiligen Abend verlebten. Draußen lag tiefer Schnee. Der Wind heulte durch unser Glasdach, das Eis hing dem Schlafenden vor der Nase, und wir froren unsagbar. Es war der zweite Heilige Abend, den ich hinter Mauern und Stacheldraht ver- lebte. Und noch keine Hoffnung, eher das Gegenteil.

Immer enger spann der Tod seine Netze um uns Leidende, die Idealismus und aufrechte Haltung hieher gebracht hatten. Niemand ahnte das Ende seiner Haft. Man wurde einfach in

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