Schutzhaft genommen und diese dauerte so lange, bis die höheren Stellen der SS und des Sicherheitsamtes sie wieder aufhoben. Kein Postverkehr, kein Brief seit dem Herbst! Wir waren hermetisch von aller Welt, vom Leben, von den auf uns Wartenden abgeschlossen und lebten nur von einer Stunde zur anderen, von einem Tag zum nächsten, ohne zu wissen, warum wir eigentlich um unser Leben stritten und kämpften, und welchen Zweck das für die Zukunft haben sollte.
Draußen, an den Grenzen unseres Landes, herrschte die Kriegsfurie. Brüder mußten fern der Heimat sterben, die von einem gehaẞten Klüngel regiert wurde. Die Massen stöhnten unter der Peitsche des Staates und duckten sich vor dem Gesetz wie geprügelte Hunde. Draußen wurde um Leben und Sterben, um Dörfer und Städte, um Vieh und Länder, um Haus und Hof, um Zukunft und Vergangenheit gerungen wie bei uns. Es ging um alles!
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Ereignisse jagten einander, die Leute verfolgten jede Stunde und jeder Blick galt dem Kommenden. Wir standen ferne, wußten, sahen und hörten nichts, sondern fühlten nur, daß dieses Ringen das Ende eines Volkes bedeutete, das von seinen Führenden weder verstanden noch vertreten werden konnte und das doch eigentlich an diesem Krieg schuld war, den es sich selbst aufgeladen hatte. Die Feiertage gingen vorüber. Wir arbeiteten wie jeden Tag, wie jede Stunde. Starker Schneefall umgab uns.
Unser Kaffee mußte um 4 Uhr früh vom Lager gebracht werden und wir konnten uns nur schwer durch das Gestöber arbeiten, da uns die Kräfte verließen. Mit Rücksicht auf mein Fieber erhielt ich die Erlaubnis, im Glashaus 1 zu arbeiten. Trostlos standen wir vor unseren Arbeitsplätzen, verzweifelt starrten wir in die öde Gegend und Heimweh und Erinnerung erschütterten uns. Kein Ziel, keine Hoffnung belebte unser Dasein und so irrten wir geistlos durch Stunde und Tag in die erahnte, haẞerfüllte Zukunft.
Am 26. Dezember 1939 erschien eine Kommission, geführt von Obergruppenführer Bohl aus Berlin , die, wie ich im Vorbeigehen hörte, für ein größeres Werk Maler suchte. Das Buch sollte ,, Heilkräutergarten Europas" heißen und von Häftlingen gemalte Bilder enthalten.
Einige Professoren und Berufsmaler unter uns wurden nun zusammengerufen, um nach Modellen aus dem Glashaus sofort eine Probezeichnung anzufertigen. Als keiner den Anforderungen der Kommission entsprach, meldete mein Freund Gaster dem diensthabenden Blockführer, daß ich malen könne. Der Blockführer meldete es der Kommission, die mir ein Papier - es war ein Jausensäckchen auf den Tisch warf, worauf ich blühenden Javatee zu zeichnen begann. Schon nach den ersten Strichen riẞ man mir das Blatt aus den Händen und befahl mir, von nun an hier, im Vorraum des Glashauses 1, zu malen. Einige Tage später gesellte sich ein Tscheche namens Kascak zu mir, und nun ver
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Am Piahl


