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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Schrie und wimmerte einer zu laut, sprang der Blockführer mit einem Ochsenziemer vor den Baum und schlug wahllos in das Gesicht und auf den sich krümmenden Leib des Gemarterten. Der Capo, der die Ruhe selbst war, spazierte auf und ab, sah auf die Uhr und tröstete, wenn der Blockführer wegging, mit einigen Worten: ,, Nur noch 20, nur noch 10, nur noch 5 oder 3 Minuten". Nach einer halben Stunde es kam aber auch vor, daß ich eine Stunde, ja auch zwei Stunden am Baum zubrachte, wurde man gelöst. Man mußte dann an das Tor und wenn man dem Lagerführer die Meldung: ,, Häftling Nr.... vom Baum zurück!", erstattet hatte, befahl er: ,, Zur Arbeit, marsch, marsch!"

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Wenn man vom Baum kam und dann einen Schubkarren führen mußte, wuchsen die Schmerzen ins Unvorstellbare. Ich kannte viele Häftlinge, die wahnsinnig wurden oder einen Nervenschock davon­trugen und, fast Idioten geworden, nicht mehr zu erkennen waren. Ihr Leben war ihnen nur mehr eine Last.

Ich weiß mich genau zu erinnern, daß man später in Dachau die Verurteilten wegen ihrer Menge nicht mehr am Pfahl abfertigen konnte, sondern einfach im Bad an einen Querbalken hängte, wie ein Hühnerhändler seine Hühner aufhängt. Wenn dann die zwanzig Geschundenen zu brüllen anfingen, ließ man einen Schlauch an die Wasserleitung anbringen und ein Blockführer spritzte die verzerrten, schreienden Masken ab. Es war der größte Spaß für ihn, wenn der Strahl gerade in den offenen Mund eines Häftlings traf.

Vor meinem Transport nach Dachau , so erfuhr ich später im Lager, waren bereits meine Kameraden, der Kadett Johann Gaster, Paul v. Wutz, Alfred Schifko und Franz Bobner nach Dachau ge­kommen. Mein bisheriges Suchen nach ihnen war jedoch vergebens. Ich fand sie nicht, ich sah sie nicht, niemand kannte sie. Ich traf sie auch bei keinem Arbeitskommando, nicht auf der Lagerstraße, nicht auf dem Appellplatz. Erst später, es ging schon dem Herbst zu, er­schien auf einmal Johann Gaster.

Er erzählte, daß er mit den anderen Kameraden in der Straf­kompanie gewesen sei. Soweit meine Beziehungen es ermöglichten, bettelten ich und mein Geigenspiel um Brot für ihn, der sich nach diesen Strapazen einigermaßen erholen mußte. Bald erschienen auch die anderen Freunde. Bis auf Schifko brachte ich sie mit Hilfe meines Obercapos in das Plantagenkommando, wo sie, wenn auch fast verhungert, wenigstens die Natur genießen konnten, die ihnen hinter den Mauern versagt geblieben wäre.

Wir hatten bald erkannt, daß gerade wir Österreicher, die ja zum Großteil aus Intelligenzlern bestanden, von der SS am meisten gequält wurden und daß die Kreaturen darauf ausgingen, alle Oster­reicher, die sie als ,, dämliche Katholikenschweine" bezeichneten, zu vernichten. Man stellte sie unter das Kommando eines Capo, der als Berufsverbrecher( BV- ler) galt und unter seiner Nummer einen grünen Winkel trug. Diese Verbrecher wurden von der SS unter­

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