Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
41
Einzelbild herunterladen

‚uchte|

"Aber}

ir das

rauen.®

inmal war 65 ; auch erden,

ch die

einem#

zu be hinzl-

h; aber#

unter

etwas| x, Da I jer ich F

die Verantwortung für dieses Freiland trug, mußte mich täglich, ja stündlich verantworten. So geschah es, daß ich bei jeder Gelegen- heit vom Rapportführer des Arbeitskommandos geschlagen wurde oder daß er mich aufschrieb, so daß ich zur Vernehmung kam und wegen jeder Kleinigkeit am Baum büßen mußte. Es war zum Ver- zweifeln! Wie oft kam es vor, daß einer irgendwo einen Zigaretten- stummel fand und draußen im Freiland rauchte. Das wurde dann vom Blockführer oder von neidischen Capos angezeigt und ich als Capo, als der Verantwortliche, und er als Täter standen vor dem Lager- führer zur Vernehmung. Sie endete mit dem Befehl:Eine Stunde Baum!

Der Baum oder Pfahl, wie er genannt wurde, war nicht die an-

‚genehmste Strafe! Erst mußte man zum Revier, wo der Arzt, ohne

einen anzusehen, feststellte, daß man dazu tauglich sei. An einem

‚der nächsten Tage stand man dann am frühen Morgen, während die

singenden Kolonnen hinter den Mauern verschwanden, vor dem Pfahl. Dieses Strafkommando befehligte der Rapportführer des Bun- kers, der Unterscharführer Zeiß, ein Mordknecht, wie man sich ihn nicht ärger vorstellen kann. Schon der Empfang im Hof vor dem Baum war eine Tortur und die Strafe war eine Marter, gegen die alles verblaßte.

Der Capo, der seinerzeit zum Tod verurteilt und später zu lebenslänglicher Haft begnadigt worden war, hatte die Durch- führung über. Er empfing jeden Häftling ruhig und gelassen. Aus seinen Zügen sprachen Elend und Gram, seine Augen verrieten außer Lebensmüdigkeit doch wieder Kraft und Durchdringungsvermögen und ließen jede Kreatur beim ersten An- blick erschauern. Leben und Sterben betrachtete er mit einer Ruhe, die beneidenswert. war. Er kannte keine Furcht, keinen Schmerz, kein Lachen, kein Weinen. Er stand über allem und man merkte sofort, daß er schon lange mit Diesseits und Jenseits abge- schlossen hatte.

Er wies mir einen Pfahl zu, stellte mich vor diesen, bestieg das Podest, kehrte meinen Rücken zum Baum, wobei ich die Hände auf dem Rücken kreuzen mußte, und legte mir eine Kette an die Hand- fesseln. Im nächsten Moment zog man meine Hände höher und höher; das Podest wurde unter meinen Füßen weggezogen und ich hing in der Luft. Gleich einem Wurm am Angelhaken krümmte sich mein Körper. Unsagbare Schmerzen durchbebten mich. Die Ketten drohten Fesseln und Knochen zu zerbrechen es hing ja das ganze Körper- gewicht daran. Das Kugelgelenk des Oberarmes drehte sich aus und der Schmerz war unaussprechlich.

Anfangs unterdrückte man seinen Schmerz und biß in die Lippen. Später schrie man, heulte man auf wie ein Hund. Die Zeit wollte nicht vergehen! Kehle und Gaumen trockneten aus, Schaum bildete sich in den Mundwinkeln, das Antlitz verzerrte sich zu einer tierischen Maske.

4