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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
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zu neuer Standhaftigkeit auf. Ich konnte nicht mehr stehen und

kratzte sitzend einige kleine Melodien herunter. Es waren aber doch Melodien, es war doch ein Heimatlied, und eben das, was die Kreatur braucht, um durch innerliche Freude wieder Stärke und Sammlung aufzubringen. Alle österreichischen Kameraden unter- stützten mich, brachten mir zu essen, sprachen bei diesem oder jenem Capo vor, um mir leichtere Arbeit zu verschaffen, damit ich sie in meiner freien Zeit mit etwas Musik unterhalten könne. Es dauerte nicht lange, da waren das Spiel mein Bahnbrecher und die Geige das Werkzeug, das der gigantischesten Unmenschlichkeit entgegenzutreten und zu trotzen wagte.

Aber nicht nur eine Bahnbrecherin war meine Geige, sie ge- wann bald auch die Herzen, ob es sich nun um SS -Leute oder um Häftlinge handelte.

Erst hörten sie von einem Geiger im Lager sprechen, dann suchten sie ihn. Sie fanden mich und verschafften mir sofort eine Geige, weil ich ja keine haben durfte; nun ging das Spiel los. Der Kampf zwischen mir und ihren Herzen war bald entschie- den. Von Melden oder Strafen war keine Rede mehr. Im Gegen- teil, sie kamen immer wieder, öfter auch am Tag, und verlangten Wiederholung. An Sonntagen gab es für mich vorläufig überhaupt keine Arbeit, da ich dem Blockführer im Revier von früh bis abends vorspielen mußte. Ja, es dauerte nicht lange, da lockte ich ihm sogar manche Zigarette aus der Westentasche, und das bedeutete sehr viel. Wer hatte das Glück, einmal eine Zigarette zu erhalten? Fast niemand und erst recht nicht, wer noch einLagerhäschen war. Meine Kameraden staunten. Ich bekam auch Feuer und rauchte ungehindert an Ort und Stelle, wenn es auch verboten war.

Ein neuer Abschnitt meines Daseins begann allmählich. Aber nicht nur für mich brach eine neue Zeit an, sondern auch für das ganze Lager. Ein Lichtstrahl rang sich langsam durch das Grauen. Anfangs schwankten meine neuen Freunde. Einer war mir einmal gut, dann wieder einmal schlechter gesinnt. Kam einer allein, war es bedeutend besser, als wenn er mit Kameraden kam, da die SS auch unter sich sehr mißtrauisch war und fürchtete, angezeigt zu werden, wenn sie mit Häftlingen in näherem Kontakt stand.

Vorerst sah es nun für mich besser aus als bisher und auch die Zukunft versprach, erträglicher zu werden.

Eines Tages wurde ich auf Grund meines Spiels von einem Blockführer als Hilfscapo auf Freiland 2 in der Plantage bestellt, wo ich die Aufgabe hatte, Bohnenkraut und Minzteefelder zu be- treuen. Ich hatte nur mehr die Leute zur Arbeit einzuteilen, hinzu- führen und zu überwachen. Das sah vorerst sehr schön aus, aber bald mußte ich mich vom Gegenteil überzeugen lassen. Die mir unter- stellten lebenden Leichname waren ja nicht mehr imstande, etwas zu leisten. Ihre Arbeit ging dementsprechend langsam weiter. Das wurde vom Turm aus vom Lagerführer beobachtet und ich, der ich

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