Druckschrift 
Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
Seite
39
Einzelbild herunterladen

hatte,# käme,

Ien an-

Kannen

er immer noch auf mich einschlug, versuchte ich, mich in die

weiche Erde einzugraben. Ich scharrte wie ein toller Hund ein Loch für meinen Kopf und glaubte, geschützt zu sein. Es half aber nichts! Der Blockführer ließ zwei Häftlinge vom Nebenkommando kommen, die mich aufstellen und schlagen mußten, obwohl ich mit bestem Willen nicht mehr weiter konnte. Aber auch das war ver- gebens ich brach wieder zusammen. Als der Blockführer sah, daß ich nicht mehr konnte, befahl er, mich mit einem Schubkarren zum Glashaus zu bringen und mich mit dem Schlauch der Wasser- leitung anzuspritzen. Man zerrte mich in den Schubkarren, führte mich hinunter, lud mich wie einen Stein ab und im nächsten Moment ergoß sich über mich ein Wasserstrahl. Anfangs zielten sie nur auf das Gesicht, so daß ich bald erstickt wäre. Ich drehte mich daher mit meinen letzten Kräften um und schützte mein Gesicht, indem ich mir wieder mit den Händen eine Grube scharrte. Ich stand auf dem Standpunkt, alles über mich ergehen zu lassen, um so schnell wie möglich zu krepieren und den Händen dieser Schergen durch den Tod zu entgehen.

Es dauerte nicht lange, bis ich das Bewußtsein verlor und liegen blieb. Nach einigen Stunden es war inzwischen Mittag geworden packten mich zwei Häftlinge. Sie steckten mich wieder in den Schubkarren und führten mich zu der angetretenen Kolonne, die schon abmarschbereit war. Unter Brüllen, Geschrei und Ge- sang wurde ich mit vielen anderen Lebenden und Toten im Schub- karren durch das Tor geführt und links vom Tor niedergelegt. Ich mußte über Mittag liegen bleiben, während die anderen zum Essen gingen. Am Nachmittag, als die Kolonne wieder vorbeimarschierte und ich mich einigermaßen erholt hatte, nahmen mich zwei Häft- linge unter den Armen und schleiften mich am Ende der Kolonne hinaus zur Plantage. Unterwegs brach ich wieder zusammen. Man steckte mich in den Schubkarren und führte mich zum Arbeits- platz in das Glashaus Nr. 1.

Der Capo des Glashauses, ein Sudetendeutscher, versteckte mich unter dem Blumentisch und ließ mich dort den ganzen Nachmittag liegen. Ich hatte unaussprechliche Schmerzen, ertrug keine Be- rührung und hing trotzdem an meinem Leben. Ich versuchte mit allen Kräften, mich auf die Füße zu stellen, um zu beweisen, daß ich trotz Hunger und Schlägen, Ermattung und Entmenschung stand- halten würde.

Viele meiner Kameraden, die mit mir gekommen waren sie waren nach einigen Wochen nicht mehr. Sie waren unter dem Motto:Arbeit macht frei! durch den Kamin des Krematoriums in die Freiheit gegangen.

Am Abend, nach schwerster Arbeit und unmenschlichen Schlägen, griff ich immer wieder nach der Geige, die im Block zur Verfügung stand und rüttelte die Kameraden mit meinem Spiel

39