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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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stützt, die ihnen Brot und Zigaretten zukommen ließ, und sie ver­besserten ihre Stellung, je mehr Meldungen erstattet wurden. Unterdessen war der Krieg ausgebrochen.

Ein Höllentreiben ging los! Im Lager und auf den Arbeitsplätzen ' wurden angesichts der Verzweiflung und der Hoffnungen, die die Phantasie der Gehetzten entstehen ließ, die unglaublichsten Gerüchte verbreitet. So hieß es, das Lager sollte aufgelöst und die politischen Häftlinge sollten in Freiheit gesetzt werden, dann wieder, Berufs­verbrecher und asoziale Elemente sollten entlassen werden und so beschäftigte man sich mit zahllosen Meinungsverschiedenheiten. Wenn der klare Verstand des einzelnen diesen Behauptungen ent­gegentrat, gerieten die Leichtgläubigen in Wut. Keine Stunde ver­ging, ohne daß Verzweiflung, Hader, Trotz, Zorn und Streit in Er­scheinung traten. Anzeigen wurden gemacht und Hunderte wurden bestraft.

Endlich löste sich die Spannung. Es war inzwischen Herbst geworden. Die Blätter rauschten und fielen auf die Lagerstraße, die von Pappeln flankiert war. Leise Winde wehten, das Firmament färbte sich und viele, viele Menschen starben. Kummer und die Sorge, das Leben über den Winter zu erhalten, steigerten sich, das Essen wurde knapper, das Hoffen erstarb in allen Seelen...

Jede Kommandostelle, jedes Arbeitskommando, jedes Revier, alle Schreibstuben waren beherrscht von der Bestie Hast. Jeder wollte es besser treffen, jeder trachtete, seine Haut über den Winter in Sicherheit zu bringen. Leises Hoffen auf Entlassung flammte auf. Viele wollten sich freiwillig in den Krieg melden, einige taten es. Sie wurden mit Lächeln und Schimpfworten von der Schwelle gejagt. Man erklärte ihnen: ,, Der Führer braucht keine Verbrecher in seinen Reihen die Heimat verzichtet auf die Mithilfe solcher Elemente. Deutschland ist stark genug, um jedem Stoß standzuhalten und die deutsche Erde würde sich schämen, wenn solche Kreaturen im Waffenrock über sie zur Verteidigung antreten würden."

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An anderer Stelle erklärte man, der Zeitpunkt sei gekommen, da man uns einfach den Flammen des Krematoriums übergeben werde. Jeder in der Schreibstube Beschäftigte, alle anderen Schreiber der einzelnen Kommandos rannten wie Wahnsinnige durch das Lager. Sie stellten Transporte auf und hielten Nummern und Namen der in Betracht Kommenden in ihren Mappen fest.

Capos wie Lagerälteste versuchten, das ihnen unangenehme Menschenmaterial so schnell wie möglich abzuschieben, und brach­ten den Kompetenten der Schreibstube Namen und Nummern dieser Lästigen zur Kenntnis. Man wollte die Arbeitskommandos auch von Ausländern säubern, was schon lange der Wunsch manchen Capos war, und so wurden Menschen um ein Stück Brot verschoben und verkauft.

Eines Abends- es war ein blutigroter Himmel, dessen erinnere ich mich genau- räumte man das Revier. Es waren meist hoffnungs­

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