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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
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Um 18 Uhr marschierte eine Kolonne nach der anderen durch das Tor.

,, Häftling 1230 mit 2000 Häftlingen von der Arbeit ins Lager zurück", lautete die Meldung während des Vorbeimarsches vor den Blockführern, die die Reihen abzählten. So ging es eine halbe Stunde.

Der vor uns liegende Platz füllte sich im Nu. Aus allen Rich­tungen marschierten Häftlinge zu ihren befohlenen Plätzen. Man sah ein hartes Gesicht nach dem andern, jedes zeigte ein seltsames Schmerzensbild. Uns graute, nun zu diesen Haufen gezählt zu werden. Ich weiß nur, daß ich nach zehn Minuten vollkommen von dem Wahn geheilt war, noch einmal an Heimgehen denken oder hoffen zu dürfen, meine Lieben wiederzusehen.

Mein Kamerad Hans mußte unter diesen Unglücklichen stehen. Ich suchte angestrengt, konnte ihn aber nicht finden. Das Bild der Zelle, in deren Wand er mit seinen Fingernägeln ,, 16. 4. 1939" ge­kratzt hatte, begleitete mich ständig. Unter dem Datum stand, deut­lich lesbar ,,, nach Dachau !" Armer, treuer Kamerad! Ob er wohl noch lebt? Ein harter, aufrechter Landsknecht !

Was half das alles! Ich sah, daß man dem Tod kaum zu entfliehen vermochte...

Vielleicht konnte ich den Kameraden finden. Er sollte sehen, daß ich ihm gefolgt war, daß ich das gleiche Los zu tragen hatte und, wie er, ohne mit der Wimper zu zucken, gewillt war, an seiner Seite zu dulden.

Nun standen sie da, Kolonne auf Kolonne, in Reihen geordnet. Der Kommandoführer, ein SS- Hauptscharführer, trat mit seinem Stab auf den Platz. Vom Turm schrie ein Posten die Meldung: ,, Turm A ohne Neuigkeit", während der Kommandoführer befahl: ,, Mützen ab, Augen rechts!" Still wie in einer Totenkammer war es, so weit das Auge reichte.

,, Turm A ohne Neuigkeit!"

Bis auf ein paar Leichen! Väter von Kindern, deutsche Männer, die 1914 bis 1918 vor dem Feind ihr Leben zu Markt getragen hatten. Hier lagen sie zu Füßen deutscher Brüder, die sie gemordet hatten, weil sie anderer Meinung gewesen waren. Die Mörder brauchten ihr Blut.

Ich sah die Wolken des Krieges am Horizont aufsteigen, ich sah euch, Brudermörder, unter den Trümmern schauerlich enden. Das Gewinsel der Kinder wird zum Himmel steigen, die Frucht in den Leibern eurer Frauen wird verflucht werden der gemordeten Brüder wegen...!

Spät abends wurden unsere Namen verlesen, dann wurden wir entkleidet. Nackt standen wir unter freiem Himmel. Mit einer Maschine wurden uns die Haare geschoren, was sehr schmerzhaft war, da man den Häftlingen, die damit beauftragt waren, kaum Zeit ließ.

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