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Turm A ohne Neuigkeit : Erlebnis und Bekenntnis eines Österreichers : ein Komponist, Maler und Schriftsteller schildert das KZ / Anselm J. Grand
Entstehung
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leidig, von Trauer erfüllt, an und folgen mit den Augen den vorbei- 14 rasenden Wagen, die Fahrt in den fast sicheren Tod!

Wir wissen bisher vom Treiben im Lager nur wenig jetzt aber wird uns langsam alles klar. Schon vor dem Besteigen der Wagen hatte die SS uns aufmerksam gemacht, daß jede Bewegung vom Platz als Fluchtversuch aufgefaßt und daß bei Nichtbefolgung des Befehls, sich nicht zu rühren, sofort geschossen werde.

Noch einmal ziehen Häuschen und Gärten, Bäume und Blumen im Sommerkleid an uns vorüber. Es war, als wollten sie uns Abschied sagen, sie, die wir schon so lang nicht mehr gesehen hatten.

In höllischem Tempo rollt der Wagen, östlich der Ortschaft hoffen 2 Dachau ausweichend, über Brücken, durch Alleen und an niedlichen Me Ortschaften vorbei ins Lager. Der Eike-Platz, der nach einem; SS -Führer benannt ist, wird in rasendem Tempo passiert, dann sehen TI Ich suc wir eine mächtige SS-Kaserne, und anschließend die Tore des Lagers, Zelle, die auf ein Signal des Wagenführers langsam geöffnet werden. Eine kratzt starke Wache hält das Tor besetzt. Noch eine kurze Straße, dann lich le: rechts wir stehen vor einer kleinen Brücke, unter der ein helles noch k Bächlein fließt. Dahinter erhebt sich das Jour-Haus, auf dem sich ein W

M. G.- Turm befindet. Die Läufe der Gewehre bedrohen den großen| vermo Appellplatz, den wir bereits durch das Gittertor gesehen hatten.|

Der Wagen hält. Die SS -Posten springen herunter, nehmen die Gewehre verkehrt in die Hand und treiben uns mit den Kolben von dem stehenden Bus. Ein heißer Tag. Die Sonne brennt mörderisch auf uns. Wir haben Befehl, vor dem Wachgebäude in Reih und Glied

zu stehen.

Stunden schmachten wir dort. Kein Wasser, kein gutes Wort, nur Prügel! Tiefe Kniebeuge seit einer Stunde! Um uns grinsende, schadenfrohe Gesichter. Ein Faustschlag folgt dem andern. Einmal trifft es hier einen, dann dort. So geht es weiter bis zum späten Nachmittag.

Durch den geladenen Stacheldraht sehen wir Menschen arbeiten. Sie arbeiten, wie wir es uns nie hatten vorstellen können. Ein Häft- ling, mit einer Binde am rechten Arm, schlägt blind in die schuftende Menge. Dort sinkt einer in den Staub, da bricht einer zusammen. Durch das Tor bringt man einen Toten im Schubkarren von der Arbeit. Ein SS -Führer tritt den Karren um, um zu sehen, ob die Kreatur noch lebe!

Als wir gegen Abend durch das Tor getrieben wurden, um uns hinter demselben wieder aufzustellen, lagen vor uns bereits mehrere Leichen, furchtbar zugerichtete Kadaver! Ihre Züge verrieten ein gräßliches Ende.

Uns gruselte. Der Angstschweiß stand uns auf der Stirn. Mochte der Himmel das begreifen wir begriffen es nicht. Trotz der großen Hitze war uns kalt am ganzen Leib.

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