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abend bläu- chend

r hier

Du

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neiner

hängen sie bis zur Abfahrt deines Transportes als sichtbares Zeichen, daß einer der Bewohner dieser Zelle zum unfreiwil- ligen Wandern vorbereitet ist.

Die Hosenträger gegenüber tauchten gerade an dem Tag auf, an dem ich von dem Gusti bestimmten Schicksal erfuhr. Der Kamerad von gegenüber fährt auch auf Arbeit, mit demselben Transport wie sie. Der Transport ist noch nicht weg. Er wurde plötzlich aufgeschoben, weil angeblich sein Arbeitsziel durch Bombardierung zerstört worden war.(Eine weitere schöne Aussicht.) Wann er abfahren wird, weiß niemand. Vielleicht abends, vielleicht morgen, vielleicht in einer Woche oder in vierzehn Tagen. Die Hosenträger gegenüber hängen immer noch. Und ich weiß: solange ich sie sehe, ist Gusti noch in Prag . Deshalb schaue ich auf sie mit Liebe wie auf jemand, der ihr hilft. Wenn sie einen Tag, zwei, drei gewinnt... wer weiß, wozu das gut ist. Vielleicht kann gerade dieser Tag sie retten.

In diesem Zustand leben wir hier alle. Heute, vor einem Monat, vor einem Jahr, immer nur dem Morgen zugewandt, in dem die Hoffnung liegt. Dein Schicksal ist besiegelt, über- morgen wirst du erschossen ach, was aber morgen geschehen kann! Nur noch den morgigen Tag erleben, morgen kann sich alles ändern, es ist doch alles so labil, ja, wer weiß, was schon morgen geschehen kann. Und die Morgen vergehen, Tausende fallen, für Tausende ist kein nächster Tag mehr, aber die Leben- den leben weiter mit unveränderlicher Hoffnung: morgen, wer weiß, was schon morgen geschieht!

Es entstehen daraus die wahnsinnigsten Gerüchte, jede Woche taucht irgendein rosiger Termin des Kriegsendes auf, den alle mit von einem Ohr zum anderen gezogenen Mund weitergeben, jede Woche flüstert sich Pankräc irgendeine neue freudige Sensation zu, die man so gerne glaubt. Du kämpfst dagegen, du unterdrückst falsche Hoffnungen, weil sie den Charakter nicht stärken, sondern schwächen, denn der Optimis- mus muß und darf nicht durch Lüge genährt werden, sondern durch die Wahrheit, durch das klare Sehen des Sieges, der außer Zweifel steht aber auch du fühlst es: daß gerade dieser

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