— Ich weiß, daß du Prag liebst. Schau! Willst du denn gar nie mehr dahin zurückkehren? Wie schön es ist! Und es wird schön sein, auch wenn du nicht mehr sein wirst...
Er spielte gut die Rolle des Versuchers. Der Sommerabend atmete über Prag schon die Nähe des Herbstes, Prag war bläu- lich und beschlagen wie eine reifende Rebe und berauschend wie Wein, ich hätte schauen mögen bis ans Ende der Welt..., aber ich unterbrach ihn:
...und wird.noch schöner sein, wenn ihr nicht mehr hier sein werdet.
Er lachte kurz, nicht böse, eher traurig und sagte:— Du bist ein Zyniker.
Er kam dann noch öfters auf diesen Abend zurück:
— Wenn wir nicht mehr hier sein werden... Du glaubst also noch immer nicht an unseren Sieg?
Er fragte, weil er selbst nicht glaubte. Und er horchte auf- merksam zu, wenn ich ihm von der Kraft und Unbesiegbarkeit der Sowjetunion erzählte. Das war übrigens auch eine meiner letzten„Vernehmungen‘“.
(Hosenträger-Intermezzo)
Neben der Tür der gegenüberliegenden Zelle hängen Hosen- träger. Ganz gewöhnliche Herrenhosenträger. Ein Instrument, das ich nie gerne hatte. Und jetzt blicke ich darauf mit Freude, wann immer unsere Zellentür geöffnet wird: ich sehe darin ein Stückchen Hoffnung.
Wenn sie dich verhaften, schlagen sie dich vielleicht tot, aber vorher nehmen sie dir die Krawatte, den Gürtel oder Hosenträger ab, damit du dich nicht aufhängen kannst(obwohl man das mit dem Leintuch so gut kann). Diese gefährlichen Werkzeuge des Todes liegen dann in der Kanzlei des Gefäng- nisses, bis irgendeine unbekannte Parze bei der Gestapo ent- scheidet, daß du anderswohin geschickt werden sollst: auf Ar- beit, ins Konzentrationslager oder zur Hinrichtung. Dann rufen sie dich, überreichen sie dir mit amtlicher Würde, aber in die Zelle darfst du sie dir nicht nehmen. Du mußt sie draußen neben die Tür oder auf das Geländer davor hängen und dort
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