Schwelle seiner Kanzlei überschreitet, ist schuldig. Gern teilt er den Frauen mit, daß ihre Männer im Konzentrationslager gestorben sind oder hingerichtet wurden. Gern zieht er aus dem Tischfach sieben Urnen und zeigt sie den Verhafteten:

Die sieben habe ich mit eigenen Händen erschlagen. Du wirst der achte sein.

(Jetzt sind es schon acht, denn er hat Jan Zizka erschlagen.) Gern blättert er in alten Protokollen und sagt sich zufrieden über die Toten:Erledigt! Erledigt!" Und gern foltert er namentlich Frauen.

Seine Vorliebe für Luxus das ist nur mehr ein Hilfsmotor seiner polizeilichen Tätigkeit. Eine gut eingerichtete Wohnung oder ein Geschäft mıt Stoffen beschleunigt nur einfach deinen Tod, das ist alles.

Sein tschechischer Helfer Negr ist etwa einen halben Kopf kleiner. Sonst ist zwischen ihnen kein Unterschied.

Böhm mein Kommissar hat weder eine Leidenschaft für Geld noch für Tote, obwohl ın seinem Verzeichnis nicht viel weniger sind als bei den beiden Vorhergehenden. Er ist ein Abenteurer mit der Sehnsucht, Jemand.zu sein. Er hat auch schon lange für die Gestapo gearbeitet. Er war Kellner im Napoleonzimmer bei den vertraulichen Besprechungen Berans was Beran selbst Hitler nicht sagte, das ergänzte Böhm. Aber was war das gegen die Möglichkeit, Menschen zu jagen, Herr zu sein über Leben und Tod, über die Schicksale ganzer Familien zu entscheiden!

Zu seiner Befriedigung war es nicht nötig, daß es immer SO traurig endete. Aber wenn man nicht anders hervorragen konnte, mochte es auch noch ärger sein. Denn was ist Schön-_ heit und was ist das Leben dem Ruhm eines Herostat? 2

Er baute das vielleicht ausgedehnteste Netz von Provoka- teuren aus. Ein Jäger mit einer großen Meute von Jagdhunden. Und er jagte. Oft nur aus Lust am Jagen. Vernehmungen das war ihm zumeist nur mehr ein langweiliges Handwerk. Die Hauptsache war ihm das Verhaften. Und dann Menschen vor sich zu sehen, die auf seine Entscheidung warteten. Er ver- haftete an zweihundert Prager Straßenbahner, Lenker und

64