Sie mußte aber auch wissen, worum es ging. Ich begann. Es war eine Schule, eine ganz reguläre Schule. Und Lida lernte fleißig und gern. Außerlich war sie ständig dasselbe Mädchen, lustig, leichtsinnig und ein bißchen lausbübisch, aber innerlich war es schon anders. Sie dachte. Und wuchs.
In der Aktion wurde sie mit Mirek bekannt. Er hatte schon ein Stück Arbeit hinter sich und konnte davon gut sprechen. Er imponierte ihr. Vielleicht konnte sie den wahren Kern nicht erkennen, aber in diesem Fall erkannte ihn nicht einmal ich. Wichtig war, daß er ihr durch seine Arbeit, durch seine zur Schau getragene Überzeugung bereits näher war als andere Burschen.
Es wuchs in ihr schnell und faßte Wurzeln. Anfang des zwei- undvierziger Jahres begann sie eindringlich mit Fragen über die Parteimitgliedschaft. Nie vorher hatte ich sie so verlegen gesehen. Nichts vorher hatte sie so ernst genommen. Ich zö- gerte noch. Noch prüfte ich sie.
Im Februar 1942 wurde sie direkt durch das Zentralkomitee als Parteimitglied aufgenommen. In einer tiefen Frostnacht gingen wir nach Hause. Sonst gesprächig, schwieg sie heute. Erst in den Feldern unweit vom Hause blieb sie plötzlich stehen, und leise, ganz leise, daß du dabei jedes fallende Schneekristall hören konntest, sagte sie:
— Ich weiß, daß das der wichtigste Tag in meinem Leben war. Jetzt gehöre ich nicht mehr mir. Ich verspreche euch, daß ich keine Enttäuschung sein werde. Was immer auch ge- schehen mag.
Es ist viel geschehen. Und sie war keine Enttäuschung.
Sie hielt die vertraulichsten Verbindungen. Sie bekam die gefährlichsten Aufgaben: verlorene Verbindungen anzuknüpfen und bedrohte zu retten. Wenn eine Zwischenschaltung oder Wohnung gefährdet war, ging Lida hin und rutschte durch wie ein Aal. Sie machte es wie früher: selbstverständlich und mit fröhlicher Sorglosigkeit, aber schon mit einem festgefügten Verantwortlichkeitsgefühl.
Sie wurde einen Monat nach uns verhaftet. Mirek hatte
durch sein Reden auf sie aufmerksam gemacht und dann war
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