Kommissars, Aber sie hatten nichts aus ihr herausgeschlagen. Weder damals, noch irgendwann später.

Ich weiß nicht, was alles mit ihnen in der Zeit geschah, da ich vernehmungsunfähig in der Zelle lag. Aber ich weiß, daß sie während dieser ganzen Zeit nichts sagten. Sie warteten auf mich. Wie oft noch wurde Pepa auf den Bock gebunden und wie oft noch geschlagen und geschlagen und geschlagen, aber er sprach nicht, bevor ich ihm sagen oder wenigstens mit Ge- bärden andeuten konnte, was er sagen kann oder wie er aus- sagen soll, um die Untersuchung fehlzuleiten.

Sie war empfindlich, beinahe wehleidig. So hatte ich sie vor der Verhaftung gekannt. Während der ganzen Zeit bei der Ge- stapo sah ich aber nicht eine Träne in ihren Augen. Sie liebte ihre Wohnung. Als ihr aber die Genossen von draußen, um ihr eine Freude zu machen, sagen ließen, daß sie wissen, wer ihre Einrichtung gestohlen hat und daß sie darauf achtgeben, ant- wortete sie:

Hol der Teufel die Einrichtung. Damit sollen sie sich nicht aufhalten. Sie haben wichtigere Dinge zu tun und müssen jetzt auch für uns arbeiten. Zuerst muß gründlich gemacht werden,

und wenn ich es überlebe, zu Hause räume ich mir schon selber auf.

Eines Tages führten sie sie beide fort. Jeden anderswohin. Vergeblich forschte ich nach ihrem Schicksal. Denn bei der Gestapo verschwinden Menschen spurlos, ausgesät über tau- sende verschiedene Friedhöfe. Ach, was für eine Ernte wird aus dieser furchtbaren Saat aufgehen?

Ihr letzter Wunsch war:

Herr Chef, richten Sie draußen aus, es soll mich niemand bedauern und es soll sich dadurch niemand einschüchtern las- sen. Ich habe getan, was mir meine Arbeiterpflicht befohlen hat, und demgemäß sterbe ich auch.

Sie warnur eine Hausgehilfin. Sie hatte keine klassische Bildung und wußte nicht, daß schon irgendwann gesagt wor- den war:

‚Wanderer, kommst du nach Sparta , verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.

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