Kinderaugen, in denen so viel Zärtlichkeit liegt! Der Kampf um die ständige Trennung hat aus uns ewige Liebesleute gemacht, die nicht einmal, sondern hundertmal im Leben die erregenden Momente der ersten Liebkosungen und des ersten Sichkennen- lernens durchleben. Und doch ist es immer ein Schlag, den unsere Herzen schlagen, und ein Atem, den wir in seligen Stunden und in Stunden des Bangens, der Erregung oder der Trauer atmen.
Jahre hindurch haben wir zusammengearbeitet und einander geholfen, wie nur ein Kamerad dem anderen helfen kann, Jahre hindurch war sie mein erster Leser und erster Kritiker, und das Schreiben fiel mir schwer, wenn ich nicht ihren freundlichen Blick im Rücken fühlte, Jahre hindurch standen wir nebenein- ander in den Kämpfen, an denen es uns nicht mangelte, und Jahre hindurch wanderten wir Hand in Hand durch die Gegen- den, die wir liebten. Wir überstanden viele Unannehmlich- keiten und erlebten viele große Freuden, denn wir waren reich an dem Reichtum der Armen. An dem, was im Innern ist.
Gusti? Sieh, das ist Gusti:
Es war während des Standrechtes, Mitte Juni des vorigen Jahres. Sie sah mich zum erstenmal seit unserer Verhaftung, nach sechs leidvollen Wochen, die sie allein in der Zelle ver- bracht hatte, grübelnd über die Nachrichten, die ihr meinen Tod verkündeten. Man rief sie, um mich weich zu machen.
„Reden Sie ihm zu‘, sagte ihr der Chef der Abteilung bei der Konfrontation mit mir,„reden Sie ihm zu, daß er vernünftig sein soll. Wenn er schon nicht an sich selbst denkt, daß er we- nigstens an Sie denkt. Sie haben eine Stunde Bedenkzeit. Wenn er auch dann hart bleibt, werden Sie heute abend erschossen. Beide."
Sie streichelte mich mit ihrem Blick und antwortete einfach:
„Herr Kommissar, das ist keine Drohung für mich, das ist meine letzte Bitte. Wenn Sie ihn umbringen, bringen Sie mich auch um.“
Sieh, das ist Gusti! Liebe und Festigkeit.
Das Leben können sie uns nehmen, nicht wahr, Gusti, aber unsere Ehre und unsere Liebe nicht.
50
würdeı fänden Freihei strebt sterber einem Leben wenn Sie zu neh Haftlir verbin Du ı lich n Weiter


