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Die Flucht : als KZ-Flüchtling durch fremdes Land / Willy Kreuzberg
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sträuße, Kuchen, Obst, Bier, alles wurde zum ersten Willkommen zusammengetragen. Die Panzer müssen hal- ten. Die Bevölkerung sperrt den Weg und wankt und weicht nicht. Jeder will einen Händedruck anbringen. Im Hintergrund nähern sich die Lastkraftwagen mit der Infanterie. Französische Zivilisten haben auf den Wagen Platz genommen. Patrioten, die jetzt so schnell wie mög- lich an ihren Heimatort gelangen wollen, aus dem sie bei dem deutschen Einfall geflüchtet waren.

Ist es die Reaktion der durchgemachten Strapazen, sind es die Nerven? Ich gehe still in eine Ecke und schäme mich nicht einmal der Tränen. Die ersten Amerikaner, auch meine Befreier. Ein Augenblick, auf den ich lange, lange gewartet habe. Behutsam legt der Wächter die Hand auf meine Schulter.Nun Sie frei, nun alles gut. Ja, nun ist alles gut. Es kann sich nur noch um Tage handeln, und ich werde mit dem Ami zusammen in Rich- tung Deutschland rollen.

Brausender Jubel tönt von der Straße. Zwei Panzer, die das Dorf passiert hatten, kehren zurück, zwei gefangene SS -Leute von der deutschen Nachzüglerdeckung mit sich führend. Mit hinter dem Kopf gekreuzten Händen sitzen sie neben einem Einstiegloch. Wohl schreit und johlt die französische Bevölkerung, aber keine Hand rührt sich, kein Stein wird zum Wurf aufgenommen.

In ununterbrochener Folge ziehen die Truppen jetzt vor- bei. Panzer, Lastkraftwagen, Jeeps, technische Truppen, Proviantwagen, Benzintransporter. Eine Gattung löst die andere ab. Endlos ist der Zug. Immer wieder ertönen die Freudenschreie der Franzosen .

Material führen die Amerikaner mit sich, eine Ausrüstung haben sie! Deutsche Soldaten, welche heute noch ver- suchen Fronten zu verteidigen, die nicht vorhanden sind, sollten das Bild sehen, das jetzt an mir vorüberzieht.

Ihr müßtet euch durch Augenschein von dem Unterschied zwischen eurer und dieser Ausrüstung überzeugen kön- nen, um zu der Einsicht zu kommen, daß das Verlangen desFührers und seiner Clique ihr sollt kämpfen für euch Selbstmord bedeutet.

So frei ich mich im Bürgermeisteramt auch bewegen kann, was nun eigentlich mit mir werden soll, weiß ich nicht. Am späten Nachmittag kommt Jenny mit den bei-

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