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rufene Schubhaus unter Dirnen und Hehlerinnen zu bringen und von da womöglich in ein deutsches Frauen­Kz, die es ja im Dritten Reich genau so wie für Männer gab... nein, sein Herz krampfte sich beim bloßen Ge­danken daran vor namenlosem Weh zusammen. Es war wie die Angst des Schiffbrüchigen, der sich in den Ab­grund der Flut versinken fühlt

An sich selbst dachte er jetzt kaum noch. Nur mit halbem Ohr hörte er zu, wie der SD.- Mann weiter sprach: ,, Auch kommen Sie ja nicht mehr nach Dachau zurück, wenn es Sie interessiert, das zu hören! Das Lager hat trotz Ihrer Flucht von dort kein Anrecht mehr auf Sie denn auch ohne Ihr Zutun wären Sie heute nicht mehr dort....'

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Erst nach einer Weile drang das Gehörte in sein Bewußtsein und ließ ihn förmlich zusammenzucken. Seine Rechte, die eiskalt war, legte sich auf die glühende Stirn, die nicht begreifen wollte.... ,, Auch ohne mein Zutun wäre ich nicht mehr im Lager? Weshalb also die ganzen Mühen und Würgereien, die Ängste und Vor­stellungen mein Gott, mein Gott!"

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Er schritt plötzlich, wie von einer unsichtbaren Faust gestoßen, durch das Zimmer gleich einem Wahn­sinnigen, die Hände geballt.... Nein, lieber tot sein, lieber tot sein, stammelte er vor sich hin. Aber im nächsten Moment überdachte er wieder: nein, auch das geht nicht! Was sollte dann aus ihr werden, die ihr Leben auf ihn eingestellt hat...? Er mußte ja am Leben bleiben, schon ihretwegen-

Seine Haltung war so, daß die beiden SD.- Männer gleichzeitig nach dem Revolver in ihren Taschen griffen und der feiste Kommissar auf ihn einzusprechen begann: ,, San's doch gescheit, Herr Oberst, spielen's nöt den Provokanten! I' rat' Eahna guat!" mahnte er in väter­lichem Tonfalle, ganz wienerisch, wohl in Erinnerung an seine k.k. Lehrzeit.

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Bert blieb vor den SD.- Leuten stehen. ,, Also wäre ich in Freiheit, wenn ich im Reiche verblieben wäre?" fragte er wie aus tiefem Nachdenken auftauchend.