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Amokläufer : Roman / A. W. Conrady
Entstehung
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wärts bis zum oberen Stock... ständig ohne ein Wort zu sprechen.

Droben knarrt eine Tür, und endlich erlöst ein matter Lichtschein die Augen von der lastenden Finsternis. Er kommt von der Studierlampe des Pfarrers, die auf dessen altertümlichem Schreibtische steht. Die Männer treten hintereinander ein und sehen sich erst beide hochatmend an.... Ein wundervolles Gefühl der Geborgenheit kommt über Bert, nun, da die letzte Sorge von ihm genommen ist. Seine Finger ergreifen von neuem die Rechte des Geistlichen und umklammern sie wie heiße Zangen vor Dankbarkeit, noch ehe ein Wort zwischen ihnen fällt.

Der Pfarrer ist ein Mann mit eckigem Kopf, breiter Nase und bräunlichen Zähnen, doch herzlich guten Augen. Wie er den stummen Dank seines ungerufenen Gastes spürt, zuckt ein vages Lächeln um seinen schon welken Mund. Er lädt ihn zum Sitzen ein und nimmt selbst auf seinem Studiersessel Platz, dabei halblaut sagend: ,, Seien Sie mir willkommen, Herr Oberst! Haben Sie etwa schon im Garten gewartet?"

Bert bestätigt es, macht aber zugleich eine beschwich­tigende Geste.

,, Ich habe Sie nämlich schon viel früher erwartet und bin dabei an meinem Schreibtische hier eingenickt. Erst Ihr Klopfen an das Fenster hat mich munter ge­macht, zumal es bald Zeit zum Dienste für mich ist. Nur eine Frage gestatten Sie mir rasch: Haben Sie Ver­folger hinter sich?"

Bert schüttelte beruhigend den Kopf und sieht den Priester dabei offen an, als er den scheuen, verängstigten Zug in dessen Gesicht erkennt. Dann überflutet ihn wieder die Nachempfindung aller überstandenen Ge­fahren... tausenderlei Gedanken an das Lager schießen ihm durch das Hirn, ungeordnet und wirr, nur alle um­spült von dem warmen Wohlgefühl: fürs erste ist es ge­schafft, bist du geborgen!

Die Erwähnung seines Wirtes, daß er ihn schon früher erwartet habe, faßt er als Aufforderung auf, in kurzen Umrissen zu berichten, wie es zuging mit seiner Flucht und